Tatum steht wieder: 298 tage nach achillessehnenriss feiert boston sein wunder
298 Tage war Jayson Tatum verschwunden. Dann stand er in der Nacht auf den 7. März um 20:11 Uhr Ortszeit auf dem Parkett des TD Garden, hörte 19.156 Menschen „M-V-P!“ brüllen und traf seinen ersten Dreier nach 17 Sekunden. Die Boston Celtics besiegten die Dallas Mavericks 120:100, doch die Zahl, die in den sozialen Netzwerken viral ging, war keine Statistik – es war das Datum seiner Rückkehr.
Die nächte, in denen tatum heulte
„Ich habe gezweifelt, ob ich jemals wieder durch die Halle laufe, ohne zu humpeln“, sagte der 28-Jährige im ESPN-Interview. Der Riss der rechten Achillessehne war am 12. Mai 2025 passiert, Spiel 4 der Conference Finals. Die Saison schien für Boston vorbei, die Karriere des Superstars auf tönernen Füßen. Was folgte, waren drei Operationen, eine Infektion, eine Blutvergiftung und ein Muskelverlust von neun Pfund. „Viele Nächte habe ich weinend verbracht“, gab Tatum zu. „Ich habe meinem Sohn gesagt: Papa kommt wieder, aber ich wusste selbst nicht, ob ich lüge.“
Die Celtics schickten ihn nach Belgrad, ließen ihn von der Einheit arbeiten, die Novak Đoković nach seinem Ellbogenbruch wieder auf Platz eins der Welt brachte. Dort erfand man einen Carbon-Schiene, die den Fuß entlastet und gleichzeitig die Sehne stimuliert. Tatum trug sie 14 Stunden täglich, schlief damit, flog damit, weinte damit. „Ich habe Bücher über Sehnenheilung verschlungen, bis mir schlecht wurde“, sagt er. „Am Ende war ich Sportler und Patient gleichzeitig – und beides hasste mein Körper.“

15 Punkte, 7 rebounds, 4 assists – und ein kino, das den atem anhielt
Als Trainer Joe Mazzulla ihn nach 21 Monaten Pause wieder aufbot, war die Anweisung klar: maximal 18 Minuten, keine ISOs, keine Double-Teams. Was dann geschah, war trotzdem pure Emotion. Tatum traf seinen ersten Dreier über Luka Dončić, blockte im nächsten Spielzug einen Kyrie Irving-Lay-up und assistierte anschließend dem ehemaligen Rivalen Jaylen Brown zum 98:78. Die Menge tobte, die Mavs warfen 23 schlechte Dreier, Boston lag plötzlich 20 vor. „Ich habe nur gedacht: Bitte lass mich nicht mehr raus“, sagt Tatum. „Dann habe ich gemerkt, dass mein Körper noch da ist – nur mein Geist müde war.“
Die Zahlen sind bescheiden, doch sie lügen nicht. 15 Punkte bei 5/9 FG, 3/5 Dreier, 7 Rebounds, 4 Assists, 2 Blocks – und ein Plus/Minus von +19 in 17:44 Minuten. „Er hat uns sofort wieder zu dem Team gemacht, das wir sein wollen“, sagt Al Horford. „Plötzlich wissen alle, wo sie stehen müssen.“

Deutsche nba-hoffnungen bleiben im rennen
Während Tatum die Schlagzeilen beherrscht, halten zwei Deutsche ihre Playoff-Chancen wach. Die Los Angeles Lakers besiegten die Indiana Pacers 128:117 – ohne Maximilian Kleber, der wegen einer Oberschenkelprellung pausierte. Doch Luka Dončić war nicht zu stoppen: 44 Punkte, 11 Assists, 8 Rebounds. „Wir haben unseren Rhythmus gefunden“, sagt der Slowene. „Jetzt wollen wir nur noch gesund bleiben.“
Auch Ariel Hukporti darf hoffen. Der 22-jährige Center der New York Knicks kam beim 142:103-Sieg in Denver zu fünf Minuten Einsatzzeit, holte zwei Rebounds und blockte einen Nikola Jokić-Hook. „Jeder Sekunde auf dem Court nehme ich mit“, sagt Hukporti. „Wenn wir so weitermachen, sind wir ein Problem für jeden Gegner.“ Die Knicks haben nach der Niederlage gegen Titelverteidiger Oklahoma City wieder aufgesetzt – und sich mit 42 Siegen fest im oberen Playoff-Sessel der Eastern Conference verankert.
Für Tatum ist der Weg noch lang. Die Celtics wollen ihn in den kommenden Wochen schrittweise auf 25 Minuten hochfahren, das Ziel ist das Playoff-Startspiel am 19. April. „Ich weiß, dass ich noch nicht der Alte bin“, sagt er. „Aber ich bin wieder da. Und das ist alles, was zählt.“ Die Fans im TD Garden werden ihm dabei helfen. Sie haben schließlich 298 Tage lang nur eines getan: warten – und jetzt wieder jubeln.
