Tardif wirft das handtuch: iihf-chef tritt 2026 zurück – und löst machtkampf aus
Luc Tardif schlägt dem Eishockey-Weltverband eine Schlappe vor, die niemand kommen sah: Der 73-jährige Franzose will 2026 nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren und sorgt damit für ein Machtvakuum an der Spitze der International Ice Hockey Federation.
25 Jahre iihf-hierarchie enden mit einem satz
Seit 2021 sitzt Tardif auf dem Thron der IIHF, zuvor zählte er 20 Jahre lang zum engsten Machtzirkel. Nun verkündet er in knappen Worten: «Ich habe entschieden, dass der Zeitpunkt gekommen ist, die Verantwortung an neue Hände zu übergeben.» Eine Begründung für den Rückzug liefert er nicht – und das wirft Fragen auf. Denn Tardif galt als Mann der Kontinuität, der den Verband nach der langen Ära von René Fasel stabilisierte und die Expansion in Asien vorantrieb.
Die Nachricht kommt zur Unzeit. Die IIHF steckt in heiklen Verhandlungen über die Olympische Teilnahme der NHL-Spieler 2030, die europäischen Profiligen fordern mehr Geld aus dem Weltverbandstopf, und die kleinen Hockey-Nationen wittern nach Jahren des Booms wieder ihren Anteil. Ein Präsidentwechsel könnte die ohnehin komplizierten Fronten verschieben – oder komplett neu ordnen.

Der countdown läuft: 18 monate bis zur abstimmung
Tardif bleibt bis Oktober 2026 im Amt, doch hinter den Kulissen beginnt jetzt das Kalkül. Kandidaten müssen sich bis März 2026 offiziell melden, die Wahlen finden beim IIHF-Kongress in Kloten statt. Insider tippen auf Swiss Ice-Präsident Peter Zahner und den finnischen Verbandschef Kalphen Tapani als erste Anwärter. Beide gelten als Verfechter eines stärkeren europäischen Blocks – und das könnte die Machtbalance zwischen NHL und ‚Old Europe‘ neu justieren.
Tardif selbst will die verbleibende Zeit nutzen, um zwei Prestigeprojekte abzuschließen: das Entwicklungsprogramm für Afrika und die Ausrichtung der Frauen-WM 2025 in Ceske Budejovice. Ob seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger diese Linie fortsetzt, ist offen. Die letzte Amtsperiode brachte Rekordeinnahmen, aber auch Klagen über zu viele Turniere und zu wenig Transparenz bei TV-Geldern.
Für den deutschen Eishockey-Bund bedeutet der Rückzug einen Dämpfer. Verbandschef Franz Reindl galt als Vertrauter Tardifs und verlor 2023 den Kampf um den Vizeposten gegen den Russen Gennadi Timoschenko. Ohne Tardif im Rücken droht der DEB erneut, zwischen die Fronten zu geraten.

Ein sport zwischen expansionswahn und geldsorgen
Die IIHF wächst – aber nicht überall. Die Zahl der Mitgliedsländer stieg auf 83, doch die Hälfte davon bringt keine eigenen Ligen hervor. Die WM in Tschechien 2024 spült zwar 65 Millionen Euro ein, doch die Kosten für Reisen und Anti-Doping-Programme explodieren. Tardifs Nachfolger muss also nicht nur die Machtfrage klären, sondern auch die Frage: Wie viel Eishockey verträgt der Planet?
Der Countdown bis 2026 wird zur Geduldsprobe. Wer sich in Kloten durchsetzt, entscheidet mit, ob der Weltverband weiter auf Wachstum setzt oder endlich auf Nachhaltigkeit umschaltet. Tardif selbst will sich danach «dem Eishockey auf andere Weise widmen». Viele lachen bitter: Nach 25 Jahren im Machtzirkel kennt der Franzosen keine andere Weise.
