Tacconi erzählt: ein zauberer schickte mich ins juve-tor
Das Finale von Heysel
1985 war nicht Gefühlskino, sondern reine Magie. Stefano Tacconi saß zwischen April und Mai 24 Mal nur auf der Bank, doch am 29. Mai hieß es plötzlich wieder: „Nummer 1 spielt.“ Der Grund? Ein Maler mit Karten und ein Präsident, der auf Horoskope schwört.Der tag, als der zauberer proverbio die elf aufrüttelte
Luciano Proverbio, Sensitiv und Partymeister in Giancarlo Bonipertis Büro, legte die Tarot-Karten. „Ich sehe kein Ergebnis“, murmelte er. Boniperti, nervös wie vor jedem großen Spiel, schrie: „Dann verlieren wir!“ Der Mago hakte nach: „Wer ist euer Keeper?“ Antwort: „Bodini, 1,78 m.“ – „Und der Zwölfte?“ – „Tacconi, 1,90 m.“ Die Quintessenz fiel wie ein Meteor: „Dann spielt der Große.“
Trapattoni, selbst Aberglaube gegenüber aufgeschlossen, unterschrieb die Entscheidung mit einem Nicken. Keine Begründung mit Statistiken, keine Videoanalyse – nur ein Befehl aus dem Jenseits. Tacconi spulte in Brüssel vier gefährliche Bälle von der Latte, Juventus gewann 1:0 und die Trophäe. Die Presse schrieb später vom „Torhüter, den keiner mehr sehen wollte, bis der Himmel ihn zurückholte“.

Warum die geschichte heute wieder hochkocht
Michele Di Gregorio wurde in Turin gerade zum Zuschauer degradiert, Mattia Perin rückt nach. Die Parallelen zum Winter 1985 liegen auf der Hand: ein Keeper außer Form, ein Team in der Krise, ein Trainer, der nach Heilsmodi sucht. Tacconi, heute 68, lacht trocken: „Reflexionspausen gab es schon immer. Aber wenn du nach 24 Spielen wieder dran bist, brauchst du entweder einen Zauberer oder eine Latte, die mit dir spricht.“
Die Magie von 1985 kostete Tacconi keine Centesima Schulde, dafür eine Geschichte fürs Leben. Heute entscheiden Datenanalysten, nicht Kartenleger. Doch die Lektion bleibt: „Wenn der Glaube fehlt, hilft keine Statistik. Und wenn der Glaube kommt, reicht manchmal ein einziges Spiel, um Legenden zu schreiben.“ Juve bangt wieder um den vierten Platz – und vielleicht wartet irgendwo in Turin schon der nächste Maler mit einem Kartenstapel.
