Tabakovic jagt heidenheim mit italienischem adrenalinstoß
Ein Mann, zwei Dramen. Vor vier Tagen schoss Haris Tabakovic die Squadra Azzurra aus dem WM-Traum, am Samstag soll er den 1. FC Heidenheim aus dem Keller schießen. Die Borussia empfängt den Tabellenletzten mit einem Stürmer, der gerade erst gelernt hat, wie sich Geschichte anfühlt.
Eugen polanski setzt auf den italienischen alptraum
Trainer Eugen Polanski spricht von „einem Selbstvertrauen, das ansteckt“. Gemeint ist die Art von Ruhe, die Tabakovic an jenem Dienstagabend in Zenica zeigte, als er Italien in die Verlängerung zwang und dann selbst verwandelte. Die Borussia holte ihn nicht als Sympathieträger, sondern als Notnagel. Nun ist er ihre Hoffnung. 16 Torbeteiligungen in 29 Pflichtspielen lesen sich wie ein Lebensversicherungsvertrag für den Klassenerhalt.
Die Zahlen sind hart. Fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, ein Restprogramm, das nach dem Duell mit Heidenheim nur noch Gegner aus den oberen Gewässern der Liga verspricht. Polanski weigert sich, vom „Kellerduell“ zu sprechen. Für ihn zählt nur der nächste Schritt, nicht die Tabelle. „Wir spielen gegen einen Bundesligisten, nicht gegen einen Tabellenletzten“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der schon zu viele Saisonendspiele verloren hat.

Hannelore kraft redet nicht vom klassenerhalt, sondern von europa
Vizepräsidentin Hannelore Kraft nimmt den Faden auf und erklärt, dass der Verein „mittelfristig wieder europäisch spielen will“. Das klingt nach Fernweh, solange der eigene Hof noch nicht sauber ist. Doch genau daran arbeitet die Klubführung: Jeder zusätzliche Platz zahlt sich in TV-Geldern aus, jeder Punkt verringert den Abstand zur Planbarkeit. Kraft nennt das „eine Frage der finanziellen Zukunftsfähigkeit“. Es ist die nüchterne Sprache von jemandem, die schon Ministerpräsidentin war und weiß, wie schnell sich politische wie sportliche Mehrheiten verschieben.
Tabakovic selbst schweigt sich aus. Kein Interview, kein Statement, nur ein kurzer Satz an den Teamsprecher: „Ich bin bereit.“ Das reicht. Die Fans haben das Video aus Zenica gesehen, sie kennen das Lächeln, mit dem er nach dem Elfmeter in die Kamera blickte – ein Lächeln, das sagt: „Ich habe schon die Größten versenkt.“
Rocco Reitz kehrt zurück, der Mittelfeld-Motor nach Magenproblemen. Die Lazarett-Liste bleibt lang, doch Polanski will keine Ausreden mehr hören. „Wir haben elf Gesunde, die starten werden. Punkt.“ Das klingt nach Kriegsbeil, nach Saisonfinale vor der eigentlichen Saison.
Am Samstag um 15.30 Uhr steht Tabakovic im Borussenpark auf dem Rasen, der ihm schon so oft den Rücken zugewandt hat. Diesmal trägt er nicht das bosnische Rot, sondern das Borussen-Grün. Die Erwartung ist laut, doch der Stürmer weiß: Ein Tor gegen Heidenheim wäre keine Heldentat wie gegen Italien, es wäre einfach nur die Pflicht. Und genau darin liegt die größte Gefahr für den Gegner – und die größte Chance für Gladbach.
