Sven bender entzaubert den mythos „harter hund“ – seine schmerzen sind alltäglich

Sven Bender, 36, steht seit fünf Jahren nicht mehr auf dem Rasen, doch seine Knochen erinnern ihn täglich daran. Kaum ein Tag ohne Schmerz – das ist die Realität hinter der Legende vom „harten Hund“, der sich mit Tape und Turban zurück aufs Feld schwang.

„Mein kopf hat meinen körper ausgespielt“

„Mit dem Wissen von heute könnte ich es kein zweites Mal machen“, sagt Bender im Gespräch mit Spox. Der ehemalige Dortmunder Meister und Nationalspieler zieht ein brutales Fazit: Über 15 Jahre lang habe sein Wille seinen Körper überstrapaziert. 125 Spiele verpasste er allein in der Bundesliga wegen Blessuren – ein Zahlenwerk, das bei seinem Zwillingsbruder Lars sogar auf 186 anwächst.

Die Studie des Fachmagazins Lancet Public Health bestätigt, was viele Akteure nur ahnen: Profifußballer tragen ein 1,5-fach erhöhtes Alzheimer-Risiko mit sich herum. Gelenkverschleiß, Sehnenentzündungen, chronische Rückenschmerzen – die Liste der Spätfolgen liest sich wie ein Lehrbuch der Sportmedizin.

„Totale körper-raubbau“ laut lars bender

„Totale körper-raubbau“ laut lars bender

„Wir haben totalen Raubbau an unseren Körpern betrieben“, hatte Lars Bender schon 2021 gesagt. Sven stimmt ihm heute zu: „Es war nicht richtig, und nicht gesund.“ Das Bekenntnis kommt spät, aber ungeschminkt. Nach dem Karriereende 2021 half nur eins: reduzieren. Statt Bundesliga-Alltag folgte die Regionalliga-Heimat TSV Brannenburg – ein letzter Ausflug mit dem Bruder, bevor der Schmerz zur Normalität wurde.

Heute steht Bender als Cheftrainer der SpVgg Unterhaching an der Seitenlinie. Die Spieler, die er betreut, wissen um seine Geschichte. Mancher mag sich fragen, ob er ihnen raten würde, ebenfalls über Schmerzen hinwegzusehen. Die Antwort liefert Bender selbst: „Das Opfer war mir bewusst – aber ich wusste nicht, wie hoch der Preis wirklich ist.“

Längst ist der Mythos vom unverwundlichen Krieger Makulatur. Was bleibt, ist ein 36-Jähriger, der morgens aufsteht und jeden Schritt mit seinem Körper verhandelt. Die Trophäen stehen im Schrank – die Schmerzen im Nacken.