Streich schießt scharf ab: trump und infantino überschreiten grenzen

Christian Streich, der Kulttrainer des deutschen Fußballs, hat in einem explosiven Interview mit dem Kicker seine Unzufriedenheit mit dem Verhalten von US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino zum Ausdruck gebracht. Während er die Erweiterung der Fußball-Weltmeisterschaft auf 48 Teams unterstützt, sieht er in den Machenschaften der Verantwortlichen eine zunehmende Zurschaustellung von Macht und Einfluss, die ihn sprachlos macht.

Die wm-reform: segen für kleine verbände?

Streich verteidigt die Aufstockung der WM, da sie kleinen Fußballverbänden wie Curacao oder Kap Verde zugutekomme. Durch die FIFA-Honorare fließe „relativ viel Geld“ in diese Nationen, das zur Förderung der Jugend, besserer Bezahlung von Trainern und Mitarbeitern genutzt werden könne – „und das hoffentlich auch tun“, so der Ex-Coach von Freiburg. Er räumt zwar ein, dass die Kritik am „aufgeblähten 48er-Teilnehmerfeld“ nachvollziehbar sei, mahnt die Gegner jedoch zur Berücksichtigung der Perspektiven kleinerer Länder. „Es ist ein historisches Ereignis, das die Menschen in deren Heimat zusammenschweißt. Wir können als große Fußballnation nicht den Anspruch ableiten, nur mit 16 oder 24 spielen zu wollen. Das wäre Herrschaftsdenken der Mächtigen.“

Die Größe der WM bietet diesen kleinen Nationen eine Chance, sich zu entwickeln und international mitzuspielen. Es ist ein Fenster, das sich öffnet, um Talente zu fördern und die Infrastruktur zu verbessern. Das Geld allein löst natürlich nicht alle Probleme, aber es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ein angriff auf demokratische werte?

Ein angriff auf demokratische werte?

Doch Streichs Kritik geht weit über die WM-Reform hinaus. Er spricht von einer „Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen.“ Diese Kombination aus Machtdemonstration und Scheinheiligkeit empfindet er als „eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht.“ Die zunehmende Offenlegung von Praktiken, die früher im Verborgenen blieben, verstärkt diesen Eindruck. „Was ich erstaunlich finde und bei mir echt Bedenken auslöst“, so Streich, „ist, dass diese Machenschaften jetzt vollkommen öffentlich dargestellt werden.“

Die Äußerungen Streichs treffen einen Nerv und werfen ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des großen Fußballs. Es ist eine Erinnerung daran, dass hinter den glänzenden Kulissen von Kommerzialisierung und Machtspielen oft fragwürdige Praktiken stehen. Die Frage ist, ob sich der Fußball von diesen Verstrickungen befreien kann, oder ob er weiterhin dem Sog der Gier und des Machtstrebens verfallen wird. Die Worte des ehemaligen Freiburgers sind jedenfalls ein Weckruf für alle, die sich für einen fairen und transparenten Fußball einsetzen.