Stojilkovic will ins nati-trikot: serbischer stürmer mit schweizer herzen
Filip Stojilkovic schlägt ein Haken. Nach dem Tief in Darmstadt und dem Aufschwung in Polen will der 26-Jährige jetzt in der Serie A durchstarten – und zwar mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust.
Der Bullige mit dem Rasenmäher-Motor hat genug von Leihgeschichten. 24 Spiele, drei Tore, Darmstadt war ein Fehlstart. „Ich bin kein Zweitliga-Typ“, sagt er heute, „ich brauche Tempo, Raum, italienische Abwehrreihen, die sich umdrehen.“

Der knackpunkt: ein anruf von murat yakin
KS Cracovia schenkte ihm das Selbstvertrauen zurück: sieben Tore, drei Vorlagen in 19 Einsätzen. Pisa Calcio zahlte 1,2 Mio. Euro, verpflichtete ihn bis 2026 mit Kaufoption. Seit Januar trainiert er unter Luca D’Angelo, einem Coach, der auf junge Spitzen setzt. Die Toscana ist kein Zufall: Lorenzos und Albertos gucken genau hin, die Scouts des Schweizer Verbandes sind seit Wochen in der Arena Garibaldi platziert.
Stojilkovic trägt Schweizer Pass, wurde in Zollikon geboren, spricht Zürcherdeutsch mit leichtem Balkan-Akzent. Dennoch: Die serbische Fußball-Union klopfte bereits an. „Klar schmeichelt das“, sagt er, „aber wenn ich wählen darf, ziehe ich das rote Trikot vor. Wir leben im schönsten Land der Welt – warum soll ich es nicht repräsentieren?“
Die Zahlen sprechen für ihn. Die Super-League liefert derzeit keinen zentralstürmerischen Knipser, der jünger als 28 ist. Embolo fällt erneut aus, Seferovic schwankt zwischen Doha und der Bank, Gavranovic spielt in Kroatien. Yakin testete zuletzt Duah und Amdouni – Tore blieben aus.
Stojilkovic kennt die Kritik: zu ungestüm, erste Ballannahme ausbaufähig. Er kontert mit Trainingsdaten: Sprintwerte bei 32,8 km/h, Gewicht runter auf 88 Kilo, Koordinationsschleifen dreimal pro Woche. „Ich bin kein Rohdiamant mehr, ich bin geschliffen“, sagt er und grinst dabei wie ein Mann, der weiß, dass der nächste Stolperer nur einen Fehler weit weg ist.
Pisa steht auf Aufstiegskurs. Am Sonntag geht’s nach Südtirol, Stojilkovic dürste nach dem ersten Serie-B-Treffer. Falls er trifft, flackert das Handy. Yakin hat die Nummer gespeichert. Und der Stürmer? Der schaut nicht mehr zurück.
