Leao und pulisic: milans offensiv-problem explodiert im olimpico
Rafael Leao starrte Christian Pulisic an, als hätte er ihm das Spielzeug weggenommen. Dann folgte die Geste, die alles sagt: Arme auseinander, Schultern hoch – das Universalsignal für „Warum spielst du mir den Ball nicht?“
Die Szene passierte zwei Mal in der zweiten Halbzeit von Lazio gegen Milan. Beide Male war Leao frei durchgestartet, beide Mal entschied sich Pulisic für einen anderen Pass. Was die Kameras nicht zeigten: Im Roma-Olimpico ging es hinterher im Spielertunnel weiter. Leao beschwerte sich lautstark, Pulisic reagierte mit einem Achselzucken. Trainer Paulo Fonseca eilte herbei, um zu vermitteln.
Das zahlenwerk lügt nicht
Seit Saisonbeginn standen Leao und Pulisic nur sieben Mal gleichzeitig in der Startelf. Ergebnis: zwei Tore – ein Treffer pro Spiel, berechnet auf 315 Minuten gemeinsamer Laufzeit. Beide Treffer übrigens in Spielen, die Milan nicht gewann (Derby 1:1, Genoa 2:2). Gegen Cremonese traf Leao, nachdem Pulisic bereits ausgewechselt war.
Die Rätselhaftigkeit der Statistik: Individuell sind beide hochproduktiv. Leao kommt auf 0,48 Tore oder Vorlagen pro 90 Minuten, Pulisic sogar auf 0,52. Zusammen sinkt der Wert auf 0,29. Die These vom „chemischen Unglück“ verfestigt sich.
Was stört die Symbiose? Erstens die Positionswahl. Pulisic zieht von rechts immer wieder ins Zentrum, dort wo Leao mit seinem Antritt eigentlich den Durchbruch sucht. Zweitens das Timing. Leao startet, Pulisic zögert 0,3 Sekunden – in der Serie A reicht das, um eine Lücke zuzuklappen.

Fonseca steht vor einem puzzle mit folgen
Der Coach muss nun entscheiden: Trennung oder Therapie. Eine Trennung würde bedeuten, einen seiner Topstars auf die Bank zu setzen – und das kurz vor der Endphase der Champions-League-Qualifikation. Eine Therapie erfordert Zeit, die Milan nicht hat. Die nächsten Gegner: Inter, Juventus, Newcastle.
Intern heißt es, Fonseca habe bereits zwei Varianten getestet. Variante A: Pulisic früher umschalten lassen, Leao als „reiner“ Stürmer. Variante B: Leao links, Pulisic als Zehner hinter der Spitze. Beide Modelle endeten mit demselben Problem: Keiner will auf den anderen warten.
Die Lösung? Vielleicht liegt sie im Training. Milan analysiert seit Wochen die Laufbahnen per GPS. Das Ergebnis: Leao sprintet 9,7 Prozent schneller, wenn er den Ball bekommt. Pulisic hingegen erhöht seine Passquote um 12 Prozent, wenn er vorher Blickkontakt aufnimmt. Die Botschaft an den Trainerstab: Erst gucken, dann spielen.
Am Ende bleibt ein Satz, der im Mailänder Quartier schon durch die Gänge geht: „Wenn die beiden einander finden, findet Milan die Tore.“ Bis dahin zählt jeder Tag – und jeder Pass.
