Stöger-meisterwerk befeuert gladbach – abstiegsangst verflüchtigt sich
Kevin Stöger ballte die Faust, schrie Richtung Nordkurve und spürte, wie 80 Minuten Druck in Sekundenbruchteilen platzten. Sein Traumtor aus 28 Metern gegen St. Pauli sorgte nicht nur für 1:0, sondern schob Borussia Mönchengladbach mit 2:0 auf Platz 12 und zog die Schotten im Abstiegskampf auf. Der Österreicher jagte den Ball mit links in den Winkel – ein Gemälde, wie Sky-Kommentator Frank Buschmann jubelte.
Polanski setzt auf honorat – und trifft goldrichtig
Trainer Eugen Polanski hatte die Hände am Kamin, als Franck Honorat in der 57. Minute hereingeschickt wurde. Fünf Minuten später knallte der Franzose das 2:0 unter die Latte, sein erstes Saisontor. Die Momentaufnahme zeigt Gladbachs Bank, die wie ein einziger Torjäger mitlief – Polanski atmete erstmals seit Wochen durch.
Zuvor war das Spiel vom Weltschlaftag gezeichnet. Beide Teams tasteten sich wie Schachspieler im Nebel, Chancen rar. Ritzka setzte Fujita in der 27. Minute frei, doch Nicolas blockte mit der Handkante, als wäre der Ball ein aufdringliches Flugblatt.
Stögers Freistoß war der Funke. Die St.-Pauli-Mauer verengte sich einen Herzschlag zu spät, Keeper Vasilj blieb wie angewurzelt stehen. 1:0 – und das Millerntor verstummte, als hätte jemand den Plattenspieler ausgeknipst.

Gladbachs restprogramm: köln und heidenheim im visier
Mit 28 Punkten rückt der Blick nach vorn. Nächste Woche gastiert Gladbach beim Kölner Kellerrivalen, dann empfängt man Heidenheim – zwei Sechspunktspiele, die über Winterruhe oder Play-off-Angst entscheiden. Sportdirektor Roland Virkus unterstrich nach Abpfiff: „Wir haben uns Luft verschafft, noch nichts gewonnen.“
Bei St. Pauli bleibt Alexander Blessin auf Relegationsplatz 16 stehen. Nach sieben Punkten aus drei Partien schlug die Stunde der Ernüchterung ein. Blessin: „Wir haben den Mut verpasst, nachzulegen.“
Gladbachs Kabine donnarte „So ist der Sport“ aus den Boxen. Die Spieler tauschten sich ab wie Schuljungen, die vor den Ferien sahen, dass die Klassenfahrt doch stattfindet. Die Saison ist lang, doch nach diesem Abend glauben sie wieder daran, dass der rote Faden am Ende grün-weiß sein könnte.
