Stefano desideri blickt zurück: 40 jahre später nagt die lecce-pleite noch

Rom – 40 Jahre sind verflogen, doch Stefano „Ciccio“ Desideri schluckt noch immer. Die 0:1-Heimniederlage gegen Lecce am 4. Mai 1984 kostete die Roma den ersten Meistertitel seit 1942. „Wir reden heute noch darüber, wenn wir uns zum Essen treffen“, sagt der heute 62-Jährige im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport. „Das ist keine Narbe, das ist ein offenes Bein.“

Der fast-transfer zum feind und der anruf, der alles änderte

Inter Mailand klopfte 1985 an, doch Desideri wollte seine geliebte Roma nicht verlassen. „Die Klubbosse brauchten Geld, ich hatte Marktwert – fertig war die Geschichte.“ Stattdessen landete er trotzdem beim Stadtrivalen, weil der Verein ihn zwang. Dass er später in San Siro traf, war Ironie pur. „Ich habe nie um Verzeihung gebeten, als ich Luis Suárez nach einem Tor gegen Neapel anschrie: ‚Das ist für dich, Arschloch!‘ Ich wurde rausgeschmissen, zwei Wochen mit der Primavera trainiert. Aber ich habe es bereut? Null Komma null.“

Die echte Lebens-Lektion bekam er von Carlo Ancelotti. „Auf dem Platz ein Serienkiller, neben der Pizza ein Bruder. Er zeigte mir, wo ich den Gegner treffen muss, damit der Schiri pfeift und der Gegner zittert.“

Liedholms hexer, zaccheronis drill und der scudetto, der nie kam

Liedholms hexer, zaccheronis drill und der scudetto, der nie kam

Nils Liedholm, der schwedische Barock-Baron, pflegte seine Spieler vor Auswärtsspielen im Industrieort Busto Arsizio einquartieren. Grund: Sein persönlicher Gurú sollte die Körperenergien per Handauflegen neu justieren. „Der war wie ein 12. Mann im Kader – nur ohne Schienbeinschoner“, lacht Desideri.

Bei Udinese versuchte Alberto Zaccheroni, sich mit Strenge durchzusetzen. „Wir hatten Borgonovo, Balbo, Calori – gestandene Männer. Er wollte den Sergeanten geben, wir haben ihm den Spiegel vorgehalten. Am Ende stürmten wir die Tabelle.“

Doch der große Titel blieb aus. Neben Lecce nagt auch das 1:1 im Uefa-Cup-Finale 1984 gegen Inter. „Wir haben dominiert, verloren aber durch ein Auswärtstor. Diese Trophäe wäre der süßeste Trost gewesen.“

Vom idol di bartolomei bis zur talentschmiede mit conti

Vom idol di bartolomei bis zur talentschmiede mit conti

Vorbild war Agostino Di Bartolomei, der Kapitän, der 1984 im Europapokal die Roma führte. „Ich habe seine Bewegungen kopiert, seine Art zu schreien. Dann kam Bruno Conti mit seinen Dribblings und Pruzzo mit seinen Kopfbällen – ein Festtag zum Training.“

Nach seiner Karriere baute er mit Conti die Jugendabteilung auf. „Wir haben über 100 Profis hochgezogen – von Florenzi bis Frattesi. Wenn du sie als Kinder hereinkommen siehst und später im Olympico stehen, ist das besser als jeder Scudetto.“

Heute steht der ehemalige Mittelfeld-Rotte am Tiber, Angelrute in der Hand. „Marlin-WM, Platz drei – das reicht für heute. Trainerjob? Nur, wenn jemand wirklich will, dass Fußball noch Seele hat.“

Die Wunde Lecce blutet weiter. Und Desideri? Er pflanzt sich an die Straßenkreuzung, lässt die Erinnerung vorbei ziehen und weiß: Manchmal reicht ein einzeller Pass, um ein ganzes Leben zu verändern – oder eben auch nicht.