St. pauli rüttelt am millerntor: zwei pfosten, ein punkt – und der abstieg rückt in weite ferne

Der FC St. Pauli hat gegen Eintracht Frankfurt nicht nur zwei Mal das Aluminium geprügt – er hat vor allem die eigene Seele gefüttert. 0:0 am Millerntor, aber das Gefühl lautet: Sieg. Punkt 24 bedeutet vier Zähler Vorsprung auf Rang 16, und das bei noch neun Endspielen. Die Rechnung ist simpel: Wer so verteidigt, fliegt nicht.

Die zahlen lügen nicht: st. pauli war gefährlicher

Während Frankfurt mit 70 Prozent Ballbesitz dominierte, dominierten die Kiezkicker die Momente, die zählen. Mathias Pereira Lage trifft den linken Pfosten (23.), Danel Sinani den rechten (42.). Dazwischen: Null echte Großchancen der Hessen. „Wir haben keine großen Chancen zugelassen“, sagt Trainer Alexander Blessin, und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass Intensität Tore ersetzen kann.

Frankfurts Jonathan Burkardt findet die richtigen Worte für das eigene Offensiv-Desaster: „Zu viel außen herum, zu wenig Flanke, zu wenig Tiefe.“ Europa? Rückstand sieben Punkte. Und die Auswärts-Sieglos-Serie währt seit Ende November. Wer so spielt, darf nicht jammern, wenn der Millerntor-Tepich sich nicht fügt.

Blessins eichhörnchen-prinzip: sammeln, nicht stürzen

Blessins eichhörnchen-prinzip: sammeln, nicht stürzen

Seit vier Spielen hat St. Pauli neun Punkte geholt – doppelt so viele wie in den 21 Partien davor. Der Trick: tiefes 4-4-2, verschobene Außenverteidiger, zweikampfstarkes Zentrum. Frankfurt lief sich fest, weil die Räume eng waren und die Laufwege klug. Blessin nennt es „Kompaktheit mit Emotion“, seine Spieler nennen es einfach Überleben.

Die Stimmung im Stadion? Gänsehaut statt Grummeln. Als der Schlusspfiff ertönt, springt die Südkurve, die Spieler klopfen sich mit Fans ab. Ein Punkt kann ein Signal sein, wenn er mit solchem Selbstvertrauen erkämpft wurde.

Der blick nach vorne: gladbach wartet, der hsv zittert

Der blick nach vorne: gladbach wartet, der hsv zittert

Am Freitag geht’s nach Mönchengladbach, das ebenfalls im Sumpf steckt. Für St. Pauli ein Sechs-Punkte-Spiel im wahrsten Sinne. Gewinnen sie, könnte der Abstand auf die Abstiegsränge bei sieben Punkten liegen – mit noch acht Spielen zu gehen. Die Statistik? Vier der letzten fünf Auswärtsspiele gegen Gladbach gingen ungeschlosen.

Frankfurt empfängt Schlusslicht Heidenheim. Theoretisch ein Freifahrtschein, praktisch ein Stresstest für die Nerven. Denn wer gegen St. Pauli schon nicht in die Spur findet, der darf sich gegen das Tabellen-Schlusslicht keine Blöße leisten. Die Europa-League-Träume leben, aber sie wanken.

Am Millerntor jedenfalls herrscht schon mal Frühlingsstimmung. Der Punkt schmeckt nach mehr – und die Kiezkicker wissen: Ein Tor mehr, und es hätte nach Meister-Euphorie geschmeckt. So bleibt die Erkenntnis: Selbst ohne Sieg kann man gewinnen. Die Tabelle spricht jetzt für St. Pauli. Und das ist die schönste Nachricht seit Wochen.