Zipfel räumt versagen ein: „hätten die piste salzen müssen“

Georg Zipfel schaut zurück und sieht nur Matsch. Der Renndirektor der Paralympics in Tesero gesteht offen: „Im Nachhinein hätten wir die Strecke salzen müssen.“ Ein Satz, der die Athleten wütend macht, weil er genau das bestätigt, was sie seit Tagen auf grellem Frühlingsschnee erleiden.

Marchand bricht weg, der traut von bronze bleibt kleben

Kathrin Marchand war auf Medaillenkurs, bis die Loipe unter ihren Ski wegschmolz. „Bei anderen Bedingungen hätte ich Bronze sicher gewonnen“, sagt sie und schluckt noch einen Tag später den Groll nicht runter. Der Schnee war weich wie Pudding, die Spur verrutschte, der Kreislauf kollabierte. „So in die Scheiße zu greifen, ist ärgerlich“, sagt sie und spricht damit Tausenden Athleten aus dem Herzen.

Die Temperaturen klettern seit Montag unaufhaltsam Richtung 15 Grad. Die Sonne glüht auf die Hanglagen von Tesero, was für Sehbehinderte und Sitzhilfenläufer zur Falle wird. Bundestrainer Ralf Rombach nennt die Loipe „für Paralympische Winterspiele nicht würdig“ und wirft dem OK vor, die Spur nicht konserviert zu haben. Zipfel kontert nun: Salz sei tabu gewesen, weil am Sonntag noch ein Rennen ansteht. Die Befürchtung: zu harte, dann wieder zu weiche Böden. Ein Teufelskreis.

Klimawandel macht märz zu einem winterfeind

Klimawandel macht märz zu einem winterfeind

Die Bilder erinnern an Sotschi 2014, an Pyeongchang 2018, an Peking 2022: Schneefelder wie Tapeten über grüne Wiesen gespannt. Österreichs Paralympics-Chefin Maria Rauch-Kallat fordert erneut eine Verlegung in den tiefen Winter. „Warum müssen wir immer im März auf T-Shirts und Kurzhosen umsteigen?“, fragt Snowboarder Schmiedt, während Biathlet Maier erzählt, er habe sich Wasser über den Kopf schütten müssen, um nicht zu kochen.

Das IPC wischt die Debatte nicht weg, aber Craig Spences Antwort klingt nach Bürokratie: Olympische Spiele, Weltcupkalender, TV-Rechte – alles stecke in festen Schienen. Eine Verschiebung auf Januar oder Februar würde Kettenreaktionen auslösen, die Milliarden kosten. Doch die Athleten fragen: Was kostet es, wenn der Sport sein Gesicht verliert?

Am Wochenende will Zipfel nachlegen: Salz ist jetzt erlaubt. Ob das die Medaillen rettet oder nur die Erde unter den Füßen härter macht, bleibt offen. Der Klimawandel wartet nicht auf Sportkalender. Wer im März Winterspiele feiern will, muss sich fragen, ob er bereit ist, in Zukunft auf Schneekanonen und Kühllaster zu setzen – oder endlich den Mut hat, den Kalender umzukrempeln. Die Antwort liegt nicht in Tesero, sondern in den Fernsehgeldern und den Sommeragenden der Verbände. Solange dort kein Salz wirkt, bleibt der März ein Aprilwetter-Spielplatz, auf dem Träume schmelzen.