Hund rast in langlauf-truppe: russisches rennen endet im chaos

Ein Hund verwandelt ein Langlauf-Rennen in Russland in eine Eislawine aus Schreien, Stürzen und blutender Nase. Die Szene, die am frühen Dienstagmorgen um 00:42 Uhr in Sozialen Netzwerken auftaucht, dauert keine fünf Sekunden – reicht aber, um zwei Athletinnen zu Boden zu reißen und eine Diskussion über Sicherheit auf Loipen weltweit zu entfachen.

Der moment, als ein hund zur unfallursache wurde

Die Starterin Alina Kudissowa ist auf der letzten Runde, als ein mittelgroßer Mischling die Fahrspur kreuzt. Statt weiterzulaufen, dreht das Tier panisch um – und prallt frontal in Kudissowas Skispitze. Die 24-Jährige fliegt über die Stöcke, landet auf dem Rücken und rutscht mehrere Meter über die kunstlich beschneite Piste. Ihre Konkurrentin Maria Tschernova, zwei Sekunden dahinter, kann nicht mehr ausweichen und stürzt ebenfalls. Beide bleiben erst einmal liegen, während der Hund sich hechelnd in Sicherheit bringt.

Der Clip, zuerst bei Nexta TV veröffentlicht, wurde innerhalb von drei Stunden über zwei Millionen Mal abgerufen. Kommentare spalten sich: Die einen lachen über die „pelzige Streife“, die anderen fragen, warum Tiere unangeleint Zugang zur Rennstrecke haben. Die Veranstalter schweigen bislang – eine offizielle Stellungnahme steht aus.

Verletzungen und erste reaktionen

Verletzungen und erste reaktionen

Kudissowa erlitt nach Angaben ihres Coaches eine leichte Gehirnerschütterung und Prellungen am Becken. Tschernova kam mit einem Schock und einer Schnittwunde am Kinn davon. Beide wurden ins nahegelegene Zentralhospital Nowosibirsk gebracht, durften die Klinik aber noch in der Nacht wieder verlassen. „Wir prüfen, ob der Hund einem Zuschauer gehört oder ein Herrenloser war“, sagt ein Sprecher des regionalen Skiverbands, der anonym bleiben will. Eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung ist offenbar nicht geplant – zumindest vorerst.

Die Russische Skilanglauf-Föderation kündigte an, künftig Streckenposten mit Tierabwehrspray auszustatten. Kritiker halten das für ein Placebo. „Solange Hunde und Zuschauer unreglementiert auf den Loipen herumtollen, wird es immer wieder solche Szenarien geben“, erklärt der deutsche Sicherheitsexperte Jens Lauterbach, der bei der FIS als Berater tätig ist. Die Forderung nach temporären Leinenpflichten für Zuschauerhunde wird lauter.

Was der vorfall über den sport sagt

Langlauf gilt als Randsport, der auf Fernsehbilder verzichtet, um möglichst nah an der Natur zu sein. Genau diese Nähe wird jetzt zur Gefahr. Wettkämpfe finden oft auf öffentlichen Loipen statt, wo Spaziergänger, Hundebesitzer und Profis dieselbe Spur nutzen. Sicherheitszonen gibt es kaum – schließlich wollen die Veranstalter keine Zäune, die das Landschaftsbild zerstören. Die Rechnung ohne vier Pfoten war offenbar nicht gemacht.

Alina Kudissowa wird voraussichtlich zwei Wochen pausieren müssen, das Weltcup-Debüt in Lillehammer fällt aus. Stattdessen sitzt sie zu Hause in Tomsk und beantwortet Hunderte Nachrichten auf Instagram. „Ich hasse Hunde gerade ein bisschen“, schreibt sie – und fügt einen Smiley hinzu, der verrät, dass die Wut längst schmilzt. Der Hund selbst ist weiter auf freiem Fuß. Die Loipe ist bereits wieder präpariert, die Spuren der Kollision von der Maschine plattgefahren. Die Bilder aber bleiben – und sie zeigen: Selbst in der scheinbar ruhigen Welt des Langlaufs kann das Chaos vier Pfoten haben.