Wück schaltet nach österleich-debakel auf stille – norwegen droht
Ein Aufschrei blieb aus, stattdessen kam nur ein Flüstern. Nach dem 0:0 in Ried, dem ersten Pflichtspiel ohne Tor seit 596 Tagen, trat Christian Wück vor die Mikrofone und redete, als hätten seine Spielerinnen gerade einen Regentag durchgestanden statt die WM-Quali auf Messers Schneide geraten.
Der tag, an dem der ball nicht rollte – und die dfb-elf stehen blieb
Vier Torchancen. Vier! Gegen eine österreichische Mannschaft, die zuvor alle neun Duelle mit Deutschland verloren hatte. Die Statistik klingt wie ein Scherz, ist aber ein Warnschuss. Denn Norwegen schob sich dank des 3:2 in Slowenien auf einen Zähler heran, und am 5. Juni winkt in Köln ein echtes Endspiel.
Wück hatte sich für die sanfte Variante entschieden. „Die Österreicherinnen haben es uns schwer gemacht“, sagte er. Kein Wort über fehlende Laufwege, kein Wort über das ewige Rückwärtspass-Karusell. Stattdessen sprach er von „Positivem“, das er herausziehen wolle. Man fragt sich: Wo bitte?
Sjoeke Nüsken lieferte die Antwort, die die Tabelle liefert: „Wir sind immer noch Erster.“ Klingt trotzig, ist aber nur noch ein Hauch Vorsprung. Dahinter lauert der Gegner, der Deutschland 2022 aus dem EM-Halbfinale warf.

Mühlhaus kam, dallmann saß – und keiner fand die lücke
Die Überraschung im Personal war perfekt. Statt Linda Dallmann, zuletzt von Wück als „Klösung gegen tiefe Blöcke“ angepriesen, durfte Larissa Mühlhausen von Beginn an ran. Die 22-Jährige lief 90 Minuten, aber selbst sie fand später die richtigen Worte: „Wir haben uns einen abgeackert – das reicht eben nicht.“
Dallmann saß 71 Minuten auf der Bank, dann kam sie, sah, konnte nichts reißen. „Wir sind zu spät wach gewesen“, sagte sie. Und sie wusste auch warum: „Der Rasen war einfach nicht gut, das merkten wir schon beim Training.“ Keine Ausrede, nur eine Erklärung. Dennoch: Wenn schon der Untergrund zum Sündenbock wird, ist die Kreativität am Ende.

Norwegen wartet – und mit ihm die wahrheit
Die Skandinavierinnen feierten in Ljubljana einen Last-Minute-Sieg, während Deutschlands Spielfluss im Hochsommer erfror. Am 5. Juni steht im Kölner RheinEnergieStadion nicht nur der Gruppensieg auf dem Spiel, sondern auch die Glaubwürdigkeit eines Teams, das sich selbst als Turnierkandidatin sieht.
Wück muss sich entscheiden: Weiter puschen oder endlich zündeln. Die Zeit für sanfte Töne ist vorbei. Wer vier Chancen gegen Österreich produziert, darf sich nicht wundern, wenn Norwegen die Tür zur WM zuknallt.
Die Tabelle lügt nie. Sie zeigt: Deutschland ist noch oben. Aber der Absturz ist nur einen Punkt entfernt.
