Wierer und giacomel zurück in oslo: abschied, herz-op und ein comeback ohne start
Holmenkollen atmete kurz auf, dann jubelte es: Dorothea Wierer und Tommaso Giacomel standen plötzlich wieder auf der Tribüne – die eine als frischgebackene IBU-Gast, der andere nach einer Herz-Ablations-OP, die seine Saison abrupt beendete.
Rot gekleidet, lautstark: wierers ehrenrunde
Die zweimalige Gesamtweltcupsiegerin landete am Mittwoch in Oslo, begleitet von Schwester Magdalena sowie den Ex-Skijägerinnen Federica Sanfilippo und Nicole Gontier. Die IBU lud sie zum „Biathlon Partner Summit 2026“, um Sponsoren und soziale Medien unter die Lupe zu nehmen. Am Freitag schlüpfte sie in die Rot-Weiss-Fanschuhe, klatschte Didier Bionaz an der Schießbahn zu Bestzeiten. Für sie kein Wiedersehen mit der Rennlatte, sondern mit der Community, die sie geprägt hat. „Ich bin nicht einfach weg“, sagte sie laut italienischem Teamkollegen, „ich will diesen Sport jetzt von außen stärken.“

Herzrhythmus gestoppt, saison gerettet – giacomel bleibt vorsichtig
Tommaso Giacomel reiste mit Freundin Elisa an. Nach dem Kollaps während der Olympia-Mass-Start in Antholz folgte die Ablations-Katheter-Behandlung, die Lizenzen für Trainingsbetrieb liegt vor, doch ein Start in Oslo? Fehlanzeige. „Ich hätte nicht mal zehn Tage Vorbereitung gehabt“, erklärte er am Rande der Strecke, „und nach der Weltcup-Pause steht die mentale Frische vor der körperlichen.“ Stattdessen half er im italienischen Rückzug, drückte Stöcke in Perrots Hand und tauschte sich mit den Franzosen über Pulswerte aus. Frankreichs neuen Gesamtweltcup-Champion Jules Perrot bezeichnete ihn als „eine der aufrichtigsten Persönlichkeiten im Peloton“.

Was bedeutet das für die italische mannschaft?
Die Skijäger stehen vor einem Generationswechsel. Wierers Rückzug öffnet ein Startplatz-Vakuum, Giacomels Gesundheitsvorsicht verzögert den erhofften Sprint um die großen Kristallkugeln. Doch die Stimmung in Oslo signalisiert: Die Abgelösten sind nicht abgetaucht, sie fungieren als Mentoren. Bundestrainer Siegfried Mazet nutzte die Gelegenheit, um mit Wierer ein Sponsoring-Konzept für Nachwuchslager zu skizzieren. Und Giacomel? Der blickt schon auf die Rollski-Tests im Mai. Sein Ziel: „Rückkehr mit Vollgas, aber ohne Risiko.“
Die Biathlon-Welt verabschiedet Stars und feiert ihre vermeintlichen Ersatzleute. Italien aber gewinnt zwei neue Köpfe hinter den Kulissen – und damit eine verborgene Stärke, die sich erst in der nächsten Saison zeigt.
