Von roma zum kinostar: carew will bond-bösewicht werden
John Carew stampft mit Stiefelspitzen einen Wasserbehälter, trägt italienische Kinder durchs Olimpico und träumt heute davon, 007 zu vernichten. Seit 16 Jahren steht der ehemalige Roma-Stürmer nicht mehr auf dem Rasen, sondern vor der Kamera – und seine Karriere ist mindestens so spektakulär wie seine damaligen Torjubel.
Rom blieb im herzen, jetzt soll es die scala sein
«Big John» schoss acht Tore für die Giallorossi, lernte von Fabio Capello und feierte mit Cassano, der «kein Wort Englisch verstand». Die Kurve liebte ihn für seine Eskapaden: «Die Balljungen waren meine Glücksbringer», sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Heute verhandelt er mit Netflix, studiert Gangster-Rollen und möchte «eine italienische Liebesgeschichte drehen – am liebsten mit mir als verruchtem Charmeur».
Die Zahlen sprechen für sich: Zehn Kinofilme, drei Serienstaffeln, ein Oscar-Kandidat. In »Maleficent: Mistress of Evil« teilte er sich das Set mit Angelina Jolie, in der norwegischen Weihnachts-Serie »Home for Christmas« zieht er seit Dezember erneut Millionen Zuschauer in den Bann. Dazwischen: Horror, Gangster, Drama – «alles, was mich wach hält».

Villa, prinz und der pokertisch neben dem thron
Prinz William lotste ihn 2007 zur Aston Villa, weil «er mich für den stärksten Stürmer hielt, den seine Royals je sahen». Dreimal danach knackte Carew die Zehn-Tore-Marke in der Premier League. Nebenbei saß er bei den World Series of Poker in Las Vegas, fotografierte norwegische Fjorde und ließ sich von Künstler Roderick Buchanan als lebendes Kunstobjekt verewigen.
Doch der Luxus ist abgestreift. Ferrari und Bentley hat er verkauft, «heute zählen meine Kinder» – und die Rolle als Bond-Schurke. «Ich bin groß, bedrohlich, und ich spreche bereits ein paar Sätze Italienisch», lacht er. «Perfekt, um Bond in den Schatten zu stellen.»
Rückblende 2004: Ein Heckaufprall auf der Via di Trigoria, Halswirbel blockiert, Monat Pause. «Gott und die Roma-Fans haben mich wieder aufrichtet», sagt er. Seitdem trägt er eine gebrochene Zehe wie eine Medaille – Opfer eines Tores gegen Reggina, das er mit einem brutalen Tritt gegen einen Wasserkanister gefeiert hatte.

Der mythos lebt – und kehrt vielleicht bald zurück
Inter wollte ihn 2013, die medizinische Abteilung stoppte den Transfer. «Keiner nannte mir den Grund, aber ich weiß: Meine Knie waren noch länger gut für die Bundesliga», schmunzelt er. Stattdessen lernt er jetzt Gitarre, wird zu Festival-DJs und liest Drehbücher, in denen er «einen ehemaligen Fußballstar spielt, der sich in eine römische Galleristin verliebt». Regisseur gesucht.
Die Kurve des Olimpico skandiert noch immer «Big John»-Sprechgesänge, wenn alte Videos auf der Großleinwand laufen. Carew sieht die Bilder auf dem Handy, während er in Oslo Golf-Schwünge trainiert. «Rom ist kein Ort, Rom ist ein Gefühl», sagt er. «Und ich komme wieder – entweder als Bösewicht oder als Liebhaber.»
16 Jahre nach seinem letzten Serie-A-Spiel ist John Carew bereit für die nächste Metamorphose. Die Tore hat er längst geschossen, die Kamera rollt, und irgendwo in London liest gerade ein Casting-Direktor diesen Text und denkt: Genau der müssen wir für den nächsten Bond haben.
