Volksparkstadion wird zur tickenden zeitbombe für bayerns frauen

José Barcala schaut nicht durch die rosarote Siegerbrille. Der Trainer des Double-Gewinners Bayern München warnt eindringlich vor dem Pokal-Viertelfinale beim Aufsteiger Hamburger SV und liefert die Erklärung gleich mit: „Die Kulisse wird fantastisch – und gegen uns laufen.“

Die 12. frau im volksparkstadion heißt emotion

Knapp 48 Stunden vor dem Anpfiff reduziert der 44-Jährige die Favoritenrolle seiner Mannschaft auf ein theoretisches Konstrukt. „Pokalspiele sind komplett anders“, sagt er mit dem kalten Blick eines Mannes, der schon zu viele Top-Spiele verloren hat, weil seine Spielerinnen das Spielfeld für einen Catwalk hielten. Ein einziger Fehler reiche, um die eigene Saison in eine Abwärtsspirale zu schicken.

Dabei fehlt ihm mit Klara Bühl gerade die Spielerin, die sonst Unruhe in die gegnerische Abwehr spuckt. Die Muskel-Sehnen-Verletzung in der Wade, erlitten beim Länderspieltraining Anfang März, hält die Flügelläuferin noch außer Gefecht. Barcala will keine Prognose abgeben, wann sie zurückkehrt, „wir schauen von Tag zu Tag“, sagt er und klingt dabei wie ein Arzt, der weiß, dass jede Eile eine Rezidivgefahr birgt.

Hamburg spielt sich frei, münchen muss sich beweisen

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Die Hamburgerinnen haben in dieser Pokalsaison bereits zwei Bundesligisten rausgeworfen und dabei bewiesen: Sie verstehen es, die Unbekümmertheit des Underdogs als Waffe einzusetzen. Für den neu formierten Kader ist das Viertelfinale der erste große Prüfstein – und gleichzeitig die Chance, sich einen Namen in der ewigen Tabelle der Pokalsensationen zu sichern.

Barcala kennt die Mentalität des Volksparkstadions. „Die Fans werden ihr Team pushen, jeden Zweikampf begleiten, jeden Fehler auspfeifen“, sagt er. Was wie eine Standard-Floskel klingt, ist in Wahrheit eine taktische Weckruf an seine Spielerinnen: Passt auf, dass ihr nicht zum Spielball der Masse werdet.

Die Münchnerinnen reisen mit dem Anspruch, den Titel zu verteidigen, doch der Weg nach Berlin führt zwangsläufig über Hamburg. Und dort wartet kein verängstigter Aufsteiger, sondern ein Gegner, der nichts zu verlieren hat – und genau das macht ihn so gefährlich. Wenn Barcala betont, „wir müssen es sehr ernst nehmen und auf Kleinigkeiten achten“, dann ist das keine Pflichtübung, sondern die Einsicht, dass Großes oft an den Kleinigkeiten zerbirst.

Um 18.30 Uhr rollt der Ball, Sky überträgt live. Dann wird klar, ob die Favoritenrolle Bestand hat – oder ob das Volksparkstadion erneut zur Arena wird, in der Träume platzen und neue Geschichten geschrieben werden.