Vlahovic rastet aus: früher als gedacht – juve bangt um die champions league

Dusan Vlahovic will zurück. Und er will es sofort. Nach 33 Tagen Reha feuerte der Serbe am Mittwoch beim Abschlusstraining in Continassa die ersten Doppelstöße mit Wucht ins Netz – begleitet vom lauten „Dale, Dule!“-Gesang der Ultras hinter dem Zaun. Die Szenerie: ein Signal. Die Botschaft: Der Torschützenkönig von 2023 spielt sich selbst wieder frei.

Spalletti zögert, der stürmer drängt

Luciano Spalletti hatte eigentlich den 30. März als internes Rückkehrziel notiert – vorsichtshalber. Denn die Adduktoren-Entzündung war hartnäckig, der Spielplan gnadenlos. Doch Vlahovic drehte an der eigenen Schraube. Drei Wochen lang absolvierte er Doppelpass-Einheiten mit Fitnesstrainer Marco Ianni, sprintete Hügel rauf, Hügel runter, stoppte den Ball auf engstem Raum. Die Belastungssteuerung zeigt: 92 Prozent der Maximalherzfrequenz, keine Reizung. Der Befund: grün.

Die Konsequenz: Gegen Pisa am Samstag steht er erstmals wieder im Kader. Nicht von Anfang an, das gibt Spalletti ungerne zu, aber auf der Bank. Sollte das Pokal-Viertelfinale glatt verlaufen, spart er ihn. Wenn nicht, kommt Vlahovic – laut interner Notiz – „mindestens 20 Minuten“. Die Alternative: Von der ersten Minute in Udine, drei Tage später. Denn dort geht es im Kampf um Platz vier gegen die direkte Konkurrenz. Juve liegt zwei Punkte hinter Milan, hat aber ein Nachholspiel.

Sein kopf sagt turin, sein berater schweigt

Sein kopf sagt turin, sein berater schweigt

Genau diese Partie könnte über seine Zukteid entscheiden. Im Januar lauschte der Klub noch Anfragen aus Manchester und Madrid, weil die medizinische Abteilung ein längeres Aus rechnete. Vlahovic aber blockte ab. Kollegen berichten, er habe im Winter-Trainingslager in Dubai jeden Morgen um sechs Uhr den Jogging-Pfad entlang des Strandes gedüst, begleitet von Physiotherapeut Claudio Colino. „Er hasst es, wenn andere über ihn entscheiden“, sagt ein Staff-Mitglied.

Die Zahlen sprechen für ihn: In den 14 Spielen vor der Verletzung erzielte er elf Tore, mehr als seine Konkurrenten Kean und Milik zusammen. Ohne ihn versiegt die Juve: Torquote fällt von 2,1 auf 1,3 pro Partie. Die Statistikfirma Deltatre listet 17 Big-Chances, die in seinem Fehlen ungenutzt blieben. Spalletti kennt die Excel-Tabellen. Darum wagt er nun den Schnellzug.

Kurios: Genau in der Woche, in der sich Vlahovic zurückmeldet, flattert der Klub ein Schreiben der UEFA. Wegen der Manipulationsvorwürre im Kapitalfall droht ein neuer Punktabzug. Sollte die Saison wie 2023 mit minus neun enden, wäre sogar Platz vier ein Trostpflaster. Die Spieler wissen es. Im Whatsapp-Status von Federico Chiesa kursiert seit Tagen ein Foto: Vlahovic in Spezialstollenschuhen, darunter das Kürzel „4CL“ – für ChampionsLeague.

Am Freitagmorgen, 48 Stunden vor Pisa, steht er wieder auf dem Trainingsplatz. Die Sonne über Turin wirft lange Schatten, er selbst wirkt schmaler, aber schneller. „Ich bin bereit“, sagt er auf Serbisch, dann läuft er in die Mitte, wo Spalletti wartet. Die Show beginnt – und mit ihr vielleicht die letzte Chance, die Saison noch zu retten.