Verstappen wirft guardian-reporter raus – seine pr-show kostet ihn die sympathie
Max Verstappen will keine unangenehmen Fragen mehr – und schmeißt Giles Richards von The Guardian einfach raus. Die Szene in Suzuka dauert keine fünf Sekunden, reicht aber, um die Debatte über Arroganz und Medienrespekt in der Formel 1 neu zu entfachen.
Der moment, in dem der weltmeister die grenze zieht
Donnerstag, 11:07 Uhr Ortszeit. Die Kameras laufen, die Akkreditierungen sind geprüft. Hinter der dicken schwarzen Plane wartet Verstappen auf die englischsprachige Presse – und erkennt Richards sofort. „Ich brauche ihn hier nicht“, sagt er trocken, deutet auf den Briten und lässt Security einschreiten. Richards packt zusammen, die Kollegen schweigen. Kein Aufschrei, keine Gegenfrage. Nur ein leiser Pfiff aus der hinteren Reihe.
Der Hintergrund: In Abu Dhabi 2025 hatte Richards den Niederländer gefragt, ob er den Crash mit George Russell in Spanien bereue. Verstappen hatte Russell in Barcelona absichtlich gedreht, fünf Plätze Strafe kassiert, neun Punkte verspielt – und die Meisterschaft fast verscherzt. Die Frage stellte Richards damals, stellte sie später, stellte sie letzte Woche erneut. Verstappen antwortete jedes Mal, dass er seine Lektion gelernt habe. Doch als Richards in Yas Marina nach der letzten Saisonübung erneut nachhakte, lachte er – zumindest in Verstappens Wahrnehmung.

Lachen als kriegserklärung – und die netzwerk-meute folgt
„Wenn dich jemand öffentlich auslacht, warum soll ich ihm dann die Bühne bieten?“, begründet Verstappen sein Vorgehen gegenüber Viaplay. Die Logik ist simpel: Wer ihn nicht respektiert, bekommt kein Mikro. Doch genau hier beginnt das Problem. Richards erhält binnen Minuten Morddrohungen per Mail, seine Twitter-Timeline explodiert. „You toxic prick“, schreibt ein User, „you embody everything that’s wrong with British bias“. Die Adresse fand sich, weil jemand im Redaktionsimpressum wühlte.
Richards selbst schreibt später einen Kommentar: „Ich habe nicht aus Spaß gelacht, sondern aus Nervosität. Seine Antwort war so scharf, dass ich nicht wusste, wie ich reagieren sollte.“ Er klingt enttäuscht, nicht wütend. Verstappen hingegen spricht von „klarer Boshaftigkeit“. Für ihn ist die Sache klar: Ein Reporter, der dreimal die gleiche Frage stellt, will keine Antwort, er will einen Klick.

Die formel 1 ist kein privatclub – und verstappen verliert dabei mehr als nur einen punkt
Tatsache ist: Die FIA schickt Reporter ins Fahrerlager, weil die Serie ohne Berichterstattung keine Sponsoren findet. Ohne TV keine Startgelder, ohne Startgelder keine 50-Millionen-Gehälter. Verstappen verdient seine 55 Millionen Dollar pro Saison nicht trotz, sondern weil Kameras seine Rivalität mit Russell und Leclerc in alle Welt tragen. Wer einen Kollegen rauswirft, wirft auch einen Teil seiner eigenen Wertereihe raus.
Der nächste Test folgt schon in zwei Wochen in Imola. Die italienischen Reporter haben ihre Fragen parat: Wird Verstappen erneut jemanden ausschließen? Wird die FIA einschreiten? Die Antwort wird live übertragen – und zwar auf Kosten des Piloten, der vergessen hat, dass Respekt eine Straße mit zwei Fahrspuren ist. Wer auffährt, zahlt die Rechnung. In diesem Fall mit Ansehen, mit Sympathie – und vielleicht mit der eine oder anderen Headline, die er sich so nicht gewünscht hätte.
