Pidcock fliegt in die schlucht – ardennen stehen auf dem spiel

Tom Pidcock schwebte 30 Kilometer vor dem Ziel von Vallter auf der Abfahrt davon – nicht über Asphalt, sondern Luftlinie in die Schlucht. Am Samstag fehlte der Mann, der vor sieben Tagen Tadej Pogačar noch ins Fotofinish jagte, am Start der Volta a Catalunya. Knie und Handgelenk schreien, sein Frühjahrsplan zerbröckelt.

Kein bild, kein beweis – nur schmerz

Die Sturzstelle lag außerhalb der TV-Zone, also gibt es kein spektakuläres Video. „Das Ärgerlichste ist, dass niemand gefilmt hat, wie ich abhebe“, sagt Pidcock mit Galgenhumor. Die Wucht des Aufpralls reichte trotzdem: Schien- und Wadenbeinprellungen, Außen- und Innenbandzerrung im rechten Knie, Handgelenk geschwollen „wie ein Ballon“. Lorenz Emmert, Teamarzt von Q36.5, erklärte noch am Freitagabend: „Wir vermuten Knochen- und Bandstruktur geschädigt.“ Die Diagnose bestätigte sich, die Folge: sofortiger Rückzug.

Pidcock selbst fuhr nach dem Sturz weiter, tauschte sein Rad, verlor aber 29:16 Minuten auf Etappensieger Jonas Vingegaard. Rang 116. war nur noch symbolisch. Über Nacht schwoll das Knie an, der Brite konnte kaum treten. „Gestern hat es nicht wehgetan – heute ist offensichtlich etwas faul“, sagte er in seiner Social-Media-Story.

Ardennen-coup in gefahr

Ardennen-coup in gefahr

Der 26-Jährige hatte Amstel Gold Race, Flèche Wallonne und Liège-Bastogne-Liège als Saison-Höhepunkte markiert. Drei Klassiker in acht Tagen, das Triple war machbar, wenn er topfit in die Ardennen reist. Jetzt herrscht Funkstille im Rennkalender. Kein Termin, kein Training, nur Reha. Die nächsten Untersuchungen entscheiden, ob er Mitte April überhaupt in die Startaufstellungen darf.

Die Verletzung wirft auch ein Schlaglicht auf Q36.5. Das neue Schweizer Team baut seine Marketing-Kampagne um Pidcocks Allround-Talent auf. Ohne ihn fehlt das Aushängeschild, die Sponsoren drücken die Daumen – und kalkulieren ums.

Pidcock bleibt cool: „Der Fokus liegt auf Heilung. Ich komme zurück.“ Keine Rhetorik, keine Show. Nur die nüchterne Erkenntnis: Er musste einmal zu tief in die Kurve gehen, jetzt muss er erst einmal tief durchatmen. Die Ardennen warten – aber die Uhr tickt lauter als sein Versprechen.