Undav trifft doppelt und schreibt geschichte – ein bundesliga-spieltag wie kein anderer
Deniz Undav lächelt noch am Montag, als er in Herzogenaurach eintrifft. Der Stürmer des VfB Stuttgart hat Grund zur Zufriedenheit: Er ist nicht nur der beste deutsche Torjäger dieser Saison, sondern hat am 27. Spieltag auch ein Bundesliga-Novum mitgeschrieben – und das ohne auch nur ansatzweise ein Egoist zu sein.
Die Szene fällt in der 87. Minute in Augsburg. Stuttgart führt 4:2, Undav steht mit Ball am Fuß vor dem leeren Tor. Doch statt selbst einzuschieben, legt er quer auf Ermedin Demirovic. Der Treffer zum 5:2-Endstand ist ein Geschenk – und gleichzeitig das Symbol eines Tages, an dem die Liga ihre eigene Regel brach.
Ein spieltag, der die historie sprengt
Was sich am Wochenende abspielte, ist ohne Beispiel. Acht von neun Partien lieferten mindestens einen Doppel-Torschützen, insgesamt zehn Spieler trafen jeweils doppelt. Christoph Baumgartner und Brajan Gruda eröffneten das Schaulaufen am Freitag in Leipzig, Serge Gnabry, Ramy Bensebaini, Marvin Pieringer, Patrik Schick und Jens Castrop folgten am Samstag. Am Sonntag schließlich komplettierten Undav, Paul Nebel und Igor Matanovic die Liste der Doppelpack-Sammler.
Die Kontraste könnten größer nicht sein. Noch am vorangegangenen Spieltag hatte kein einziger Spieler mehr als zwei Treffer erzielt – ein Novum für sich. Nun, eine Woche später, schlägt die Liga aus der anderen Richtung zurück: der erste Spieltag der Geschichte, an dem in acht Begegnungen ein Mehrfachtorschütze aufläuft. Die Zahren sprechen eine klare Sprache: 34 Tore fielen am 27. Spieltag, nur das Duell zwischen Wolfsburg und Bremen blieb mit 0:1 unter der Drei-Tore-Marke.

Undavs ungewollte chance auf den hattrick
Die Chance auf den Dreierpack hatte Undav tatsächlich. Doch der Stürmer wollte nicht. „Man sieht, dass ich kein Egoist bin“, sagt er nach Abpfiff. Es ist diese Mischung aus Kaltschnäuzigkeit und Teamgeist, die Stuttgart an diesem Sonntag nach vorne trägt. Trainer Sebastian Hoeneß lacht nur, als er gefragt wird, ob er den Pass schon bereut: „Deniz hat sich für die richtige Option entschieden. Wir gewinnen 5:2, er beteiligt sich an vier Toren – mehr geht nicht.“
Die Statistiker wühlen in den Archiven. Siebenmal zuvor hatte es sieben Doppel-Torschützen an einem Spieltag gegeben, das letzte Mal am 34. Spieltag 2001/02, als Borussia Dortmund ohne eigenen Doppelpack den Meistertitel holte. Zehn Spieler mit jeweils zwei Treffern, das gab es nur zweimal: 1984/85 und 2001/02. Nun also das dritte Mal – und wieder steht ein Dortmund-Klub im Mittelpunkt, wenn auch nur statistisch.
Die Bundesliga liefert sich ein Selbstgespräch. Erst die torloseste Runde aller Zeiten, dann die Doppelpack-Parade. Was folgt? Keine Ahnung. Aber eines ist klar: Wer an diesem Wochenende nicht zugeschaut hat, hat Geschichte verpasst. Und wer nächstes Mal nicht zusieht, riskiert, wieder nur von den Nachrichten zu erfahren, was passiert ist.
