Uefa rüttelt am fußball-kalender: em-quali und nations league werden zur kopfrechen-orgie

Istanbul – Kurz vor dem Europa-League-Finale legt die UEFA nach: Keine vier, sondern künftig nur noch drei Ligen. Keine klassischen Gruppen, sondern ein Schweizer-System mit wechselnden Gegnern. Keine belanglose EM-Quali-Gruppenphase, sondern eine 36er-Mega-Liga, die an die neue Champions League erinnert. Der Fußball bekommt ab 2028 einen neuen Kalender – und den müssen sich Fans erst einmal unter den Nagel reißen.

Die nations league schrumpft auf 54 spiele pro liga

Bisher vier Etagen à vier Vierergruppen, künftig drei Etagen mit je 18 Teams. Die Mathematik: 55 Nationalmannschaften passen nicht in 18er-Dreierpacks. Liga C muss deshalb eine Siebener-Gruppe verkraften. Jede Mannschaft spielt aber nur sechs Partien – fünf verschiedene Gegner, ein Hin- und Rückspiel nur gegen echte Gruppenrivalen. Wer auswärts in Serbien spielt, kann daheim gegen Nordmazedonien ran – und trotzdem zählt alles in dieselbe Tabelle. Die UEFA nennt es „flexibler Modus“, Fans werden ihn Europapokal light nennen.

Oben bleibt’s spannend: Die Play-offs und Auf- und Abstieg bleiben, wodurch auch kleine Nationen im Herbst noch ein Ticket für die Endrunde kassieren können. Doch der Preis ist ein Termin-Kuddelmuddel. Länderspielfenster sind begrenzt, Flugkilometer steigen – und die Klubs bekommen ihre Stars später und kaputter zurück.

Em-qualifikation wird zur champions-league-kopie

Em-qualifikation wird zur champions-league-kopie

Noch radikaler fällt die EM-Quali aus. Die obersten 36 Teams der Nations-League-Historie bilden Liga 1 und werden in drei Lostöpfe zerlegt. Anschließend zieht die UEFA zwölf zwölfer-Gruppen – sorry, Zwölfer-Listen – aus dem Hut. Jedes Land bestreitet sechs Spiele, zwei Gegner kommen aus jedem Topf. Gruppensieger sind fix qualifiziert, der Rest dürf in Play-offs, an denen sich auch die Liga-2-Außenseiter beteiligen dürfen.

Was klingt wie ein Excel-Sheet entfaltet eine turbo-lade Playoff-Strecke: Zwölf Sieger, zwölf Tickets – und ein Restprogramm, das sich über vier zusätzliche Länderspieltermine zieht. Die EM wächst ohnehin auf 32 Teams, doch der Weg dahin wird zur Daten-Orgie. Wer rechnet mit, wer fällt durchs Raster? Nationaltrainer werden Scout-Abteilungen aufbauen müssen, um Gegner aus Lostopf 3 zu analysieren, die sie vielleicht nur einmal in vier Jahren sehen.

Die UEFA verspricht „mehr bedeutungsvolle Spiele“. Was sie nicht sagt: Die Bedeutung steigt für Marketing-Rechte und TV-Partner, nicht unbedingt für Spieler, die schon jetzt bei 60+ Pflichtpartien pro Saison kollabieren. Die Reform kommt – ob sie ankommt, entscheidet sich im September, wenn das Exekutivkomitee die Details absegnet. Bis dahin rechnet Europa weiter. Und wir berichten, wenn der Fußball seine neue Hausaufgabe bekommt.