De la fuente zittert vor dem 25. mai: spaniens wm-plan droht zu platzen
Luis de la Fuente hat den Termin rot im Kalender markiert. Nicht aus Vorfreude, sondern aus Angst. Am Montag, 25. Mai, um 12.30 Uhr, muss er die 26 Namen nennen, mit denen Spanien in die USA reisen will – und er weiß: Drei von ihnen sind bereits kaputt. Die WM-Karten werden mit Schmerzmittel unterschrieben.
Der alptraum beginnt mit fermín
Der FC-Barcelona-Mittelfeldspieler war die erste große Hiobsbotschaft. Sein Muskelfaserriss war nicht nur ein medizinischer Befund, sondern ein Warnschuss. Seitdem lebt de la Fuente mit dem Notarzt-Handy auf dem Nachttisch. „Ich werde die Spiele nicht mehr genießen, ich werde sie überstehen“, sagt er im engsten Kreis. Jeder Zweikampf, jeder Sprint kann das Kartenhaus zum Einsturz bringen.
Die Liste der Gehetzten liest sich wie ein Who-is-Who der Hoffnungsträger: Mikel Merino fehlt seit Monaten, Nico Williams und Lamine Yamal laborieren an Muskelverhärtungen, die sie erst für das Achtelfinale fit machen sollen. Drei Laufmotoren, drei Systemspieler. De la Fuente plant nicht mit ihnen für die Vorrunde, sondern fiebert dem Duell gegen Uruguay entgegen – dem letzten Gruppenspiel, wenn’s knallen muss.

Rodri und laporte: die erschöpften mit dem wm-ticket
Zwischen den beiden liegt eine ganze Saison voller Warnglocken. Aymeric Laporte verlässt fast jedes Spiel mit einer Zugnummer im Oberschenkel. Rodri kehrte nach seiner Kreuzband-Pause nur zögerlich zurück, spielte 90 Minuten im FA-Cup-Finale – und sofort wieder Schonung. Beide wollen nicht nur dabei sein, sie wollen den Titel. Doch ihre Knochen ticken lauter als der Countdown.
Die Lösung hat einen Namen: Carlos Cruz. Der Leistungschet ist seit Wochen im Dauereinsatz, um Mikro-Zyklen, Jetlag, Höhenanpassung und Smog in eine Excel-Tabelle zu bannen. Die Spieler bekommen individuelle Schlafpläne, Blutanalysen nach jedem Flug und eine App, die sie daran erinnert, Wasser zu trinken – alle zwei Stunden, auch nachts.

Víctor muñoz: vom notnagel zu lebensversicherung
Noch vor einem Monat galt er als netter Bonus. Dann schoss der Osasuna-Flügelspieler ein Tor, zog sich aber das Quadrizeps-Fett auf. Die MRT-Bilder zeigten nichts Rissiges, nur tiefe Ermüdung. Für de la Fuente reicht das, um ihn aufzuschreiben. „Wenn Víctor sprintet, spüre ich, wie sich mein Puls beruhigt“, sagt der Coach. Ein Satz, der viel über den Zustand der Mannschaft verrät.
Am Samstag steht die letzte Liga-Runde an, dann folgen drei Europacup-Finals mit spanischer Beteiligung. De la Fuente wird die Fernbedienung mit zwei Daumen bedienen: einen für Play, einen für Pause, falls wieder jemand liegen bleibt. Die 55-Kopf- Vorauswahl ist auf 26 zusammengeschrumpft, plus ein Häufchen Urlaubs-Reservisten, die vom 4. Juni an vier Tage lang Ersatz geben und dann abfliegen dürfen.
Am 5. Juni hebt die Maschine nach Chattanooga ab, Quartier Nummer eins. Drei Tage später geht’s nach Puebla zum Test gegen Peru. Die Genesenden bleiben in Madrid, sparen Kilometer und Nerven. De la Fuente hat die Reiseroute so geplant wie eine Militäroperation – jede Stunde zählt, jeder Muskelstrang wird protokolliert.
4.041 Minuten hat Marcos Llorente in dieser Saison schon auf dem Feld gestanden, mehr als jeder andere Kandidat. Die Zahl steht in der Excel-Tabelle neben seinem Namen, rot unterstrichen. Sie bedeutet nicht Einsatzbereitschaft, sondern Explosionsgefahr. Dennoch wird er fliegen. Weil Spanien nicht nur Talent, sondern auch Durchhaltewillen braucht.
Am Ende bleibt ein Satz, den de la Fuente in den letzten Wochen immer wieder murmelt: „Wir müssen den 25. Mai überleben, dann können wir vom 14. Juli träumen.“ Keine Siegessicherheit, nur blankes Überleben. Die WM beginnt nicht in den USA, sie tobt schon jetzt in den Behandlungszimmern und auf den grünen Monitoren von Las Rozas. Wer am 25. Mai noch aufrecht steht, darf weitermachen. Die anderen bleiben zurück – mit einem Rezept und einem gebrochenen Traum.
