Tus fürstenfeldbruck zittert sich in pfullingen richtung klassenverbleib

29:29 in Pforzheim, drei Treffer in der letzten Minute – der TuS Fürstenfeldbruck hat seine Handball-Seele zurückgekauft. Nun jagt das Schlusslicht der 3. Liga Süd in Pfullingen den zweiten Befreiungsschlag. Noch acht Punkte trennen die Panther vom rettenden Ufer, doch Dennis Daschevski spürt: „Das Feuer ist wieder da.“

Der späte punkt war mehr als zufall

Was in der Statistik wie ein Remis aussieht, war im Kader ein Befreiungsschlag. Daschevski, seit Januar Chef auf der Bank, ließ seine Spieler die Woche über Videosequenzen analysieren – nicht die Tore, sondern die zweite Halbzeit, in der sich Bruck erstmals seit Wochen nicht hintenherwählte. „Plötzlich standen sie wieder senkrecht“, sagt er. Die Abwehr verschob in Echtzeit, zog den Gegner auf Position sieben und zwang Pforzheim zum Risiko mit sieben Feldspielern. Genau diese Aggressivität will er heute in der Franz-Siegel-Halle wieder sehen.

Pfullingen ist kein Zufallsgegner. Die Württemberger haben die letzten vier Heimspiele gewonnen, drehen ihre Deckung wie ein Zahnrad und lassen den Kreis laufen, bis die Lücke da ist. „Wenn wir wieder nur reagieren, sind wir das Kanonenfutter“, warnt Daschevski. Sein Plan: Erst die Mitte dichtmachen, dann den Ball laufen lassen – und zwar so schnell, dass Pfullingens Rückraum nicht umstellen kann.

Der kader blutet, aber das herz schlägt

Der kader blutet, aber das herz schlägt

Die medizinische Lage liest sich wie ein Vermögensbericht in Rot. Linke Hand: komplett außer Gefecht. Anton Ehrlinger, ohnehin schon Flickenteppich, muss sich am Spieltag früh mobilisieren. Kilian Weigl, gerade aus dem Lazarett zurück, trainiert noch in Regenerationswolle. Daschevski nennt es trotzdem keine Notlösung: „Wir starten mit dem, der laufen kann – und der will.“ Wer das ist, entscheidet sich erst zwei Stunden vor dem Anwurf. Die HSG nennt das kurzfristig, der Coach nennt es Prinzip: „Wer heute bereit ist, spielt morgen.“

Die Tabelle lügt nicht, aber sie schwindelt. Bei Köndringen und Oftersheim steht heute ebenfalls ein Spiel an. Verlieren beide und Bruck gewinnt, schrumpft der Rückstand auf sechs Punkte. „Wir brauchen kein Wunder, wir brauchen zwei Punkte“, sagt Daschevski. Dann wäre die Relegation kein frommer Wunsch mehr, sondern ein Termin.

Der countdown läuft, die uhr tickt laut

Der countdown läuft, die uhr tickt laut

Um 19 Uhr ist Anwurf. Die Franz-Siegel-Halle wird kochen, 1.200 Leute, ein Drittel davon aus Bruck. Sie reisen mit Trommeln und einem Banner, auf dem „Nur noch acht“ steht – nicht als Mahnung, sondern als Kampfansage. Daschevski hat den Spielern eine WhatsApp geschickt: ein Foto der Tabelle, daneben ein Zitat von Franz Beckenbauer: „Spiele gewinnt man nicht mit dem Kopf, sondern mit den Füßen, die rennen.“

Die Saison ist keine Metapher mehr, sie ist ein Kampf um Plätze, um Punkte, um das Existenzrecht in der dritten Liga. Verliert Fürstenfeldbruck, bleibt die Quittung aus Pforzheim eine hübsche Episode. Gewinnt er, ist die Abstiegszone plötzlich ein Schritt näher an der erreichbaren Seite. Daschevski wird nicht beten, er wird coachen. Und seine Panther werden rennen – bis die Schuhe glühen oder die Uhr abläuft.