Tuchel-debüt endet mit späten albträumen – englands wm-test droht zu platzen

England ohne Kane, ohne Bellingham, ohne Idee. Thomas Tuchels erstes Länderspiel im WM-Jahr 2026 endet mit einem 1:1 gegen Uruguay, das in der 94. Minute vom Punkt trifft und die Three Lions vorführt. Die Favoritenrolle? Makulatur. Die Moral? Auf Null. Die Frage: Warum wirkt der haushohe Titelfavorit plötzlich so verletzlich?

Valverdes fauststoß trifft tuchel mitten ins konzept

Ben White hatte in der 82. Minute noch gedacht, er rette den Abend, doch Federico Valverde zerstörte die Illusion mit dem letzten Atemzug. Der Real-Madrid-Motor verwandelte den Strafstoß im Nachschlag, nachdem James Trafford – sonst Manchester-City-Ersatz, heute Nationaltorhüter – Mathías Olivera umgerannt hatte. Plötzlich stand da ein 1:1, das sich anfühlte wie eine Niederlage. Denn Uruguay hatte nicht nur das bessere Ende, sondern auch die besseren Chancen. Ein Schuss von Darwin Núñez klatschte an den Pfosten (71.), ein Kopfball von Ronald Araújo segelte knapp drüber (77.). England? Einmal Halbchance Madueke, dann war Luft.

Die Zahlen sind gnadenlos: Kein einziges Tor nach Standards, kein einziges Kontertor, nur zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten. Das ist für ein Team, das in den USA, Mexiko und Kanada den Pokal holen will, ein Armutszeugnis. Tuchel hatte 35 Spieler mitgenommen, rotierte wie ein Dj, der vergessen hat, wo der Beat liegt. James Garner debütierte, fand aber nur Lücken im eigenen Spiel. Noni Madueke musste verletzt runter, Phil Foden taumelte nach einem Foul von Araújo. Die Experimente fragen sich: Wer ist hier eigentlich Stamm?

Spanien zeigt, wie testspiele laufen können

Spanien zeigt, wie testspiele laufen können

Während in London die Stimmung auf Null sank, feierte Mikel Oyarzabal in Sevilla ein Doppelpack. 16. und 43. Minute, beide Male mit dem linken Spann, beide Male ausserhalb des Strafraums. Serbien, nicht für die WM qualifiziert, wirkte wie ein Sparringspartner, der seinen Job kennt: mitlaufen, nicht treffen. Victor Munoz machte den Deckel drauf (72.), Spanien dominierte mit 73 Prozent Ballbesitz. Luis de la Fuente konnte sogar auf das prestigeträchtige „Finalissima“-Duell gegen Argentinien verzichten – abgesagt wegen Nahost-Konflikt – und trotzdem die eigene Form unter Beweis stellen. Der Europameister wirkt, als hätte er den Rhythmus schon im Februar.

Die Niederlande bestätigten den Trend: Auch ohne Erling Haaland schlägt Norwegen nicht in Amsterdam. Virgil van Dijk köpft zum Ausgleich, Tijjani Reijnders dreht die Partie – 2:1. Die WM-Gastgeber testen, wer mitspielt. England testet, wer eigentlich noch dabei ist.

Die lektion für tuchel: grösse allein reicht nicht

Die lektion für tuchel: grösse allein reicht nicht

Der DFB-Coach hatte nach der Quali noch getönt, man wolle „Spielkultur und Intensität verbinden“. Gegen Uruguay gab es weder das eine noch das andere. Die Statistik, die bleibt: Erstmals seit 2013 kassiert England in einem Kalenderjahr schon im März ein Gegentor. Und erstmals seit 2018 bleibt Kane in einem Länderspieljahr ohne Einsatz – der Bayern-Star schont sich für die Meisterschaft. Die Konsequenz: Wer in der WM-Phase nicht trifft, trifft später nicht. Die Uhr tickt. Noch 76 Tage bis zur Eröffnung in Los Angeles. Tuchel muss jetzt liefern, sonst wird aus dem Traum vom Titel nur ein Albtraum mit englischem Akzent.