Koeman siegt ohne haaland: oranje zeigt wm-form, norwegen bleibt harmlos
Van Dijks Kopfball und Reijnders’ Schlenzer reichen. Die Niederlande besiegen Norwegen 2:1, doch das Resultis täuscht: Ohne Erling Haaland wirken die Gäste wie ein Schatten ihrer selbst.
Haaland fehlt, norwegen verblasst
Ronald Koeman hatte vor dem Spiel gewarnt, man dürfe den Gegner nicht unterschätzen, selbst wenn dessen Torjäger zu Hause bleibt. 24 Minuten lang schien die Warnung unbegründet. Andreas Schjelderup nahm einen diagonalen Pass aus dem Halbfeld mit der Innenseite mit, ließ Dumfries stehen und schob flach ins lange Eck ein. Die Johan-Cruyff-Arena verstummte, die Norweger jubelten wie im Juli in Kansas City.
Dann schaltete Oranje einen Gang höher. Cody Gakpo zog zweimal aus 20 Metern ab, zweimal parierte Nylund reflexartig. Die dritte Chance saß. Dennoch war es ein Verteidiger, der die Antwort gab. Virgil van Dijk entschied sich für den kurzen Pfosten, stieg höher als Aursnes und köpfte unten rechts ein. 1:1 zur Pause – und die Marsrichtung stand.

Koeman verrät keinen cent – die bank liefert
Koeman hatte in der Kabine offenbar nur zwei Sätze gesagt: „Mehr Tempo. Früher stören.“ Tijjani Reijnders nahm’s wörtlich. Der Milan-Mann erkämpfte sich im Mittelkreis den Ball, spielte den Doppelpass mit Depay und netzte aus 17 Metern ins rechte Dreieck. 51. Minute, 2:1 – die Gäste wirkten von da an wie eine U-21-Auswahl, die versehentlich im falschen Trikot spielt.
Norwegen erzeugte bis zum Abpfiff keine xG von mehr als 0,11. Die Statistik, die sonst Haaland trägt, blieb leer. Stattdessen klatschten 52.113 Zuschauer Beifall für einen Auftritt, der keine großen Fragen offenlässt: Van Dijk dominiert die Luft, Timber sichert den Raum, Reijnders setzt Impulse. Die Oranje-Maschine läuft bereits auf WM-Tour.

Für solbakken wird’s eng
Ståle Solbakken muss bis Juni eine Lösung finden, wie sein Team ohne seinen Superstar Tore erzielt. In der Quali schoss Haaland 16 der 23 Treffer. Die restlichen neun Tore steuerten sieben verschiedene Spieler bei. Am Freitag zeigte sich: Niemand will die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen. Schjelderups Kunstschuss war nur ein Strohfeuer.
Die Uhr tickt. In 68 Tagen eröffnet Norwegen in Seattle gegen Südkorea. Ohne Haaland droht eine frühe Rückreise. Die Niederlande dagegen reisen als Gruppenkopf nach Dallas – und wissen: Selbst an einem durchschnittlichen Abend reicht ihre Bank, um Spiele zu drehen.
