Jaron rettet jena mit traumtor – klassenerhalt plötzlich greifbar
Ein Schlag wie aus dem Lehrbuch, ein Aufschrei, der das Ernst-Abbe-Sportfeld zum Beben bringt: Isabella Jaron hat den FC Carl Zeiss Jena mit einem Freistoß, der keinen Millimeter neben das Ziel hätte fallen dürfen, wieder Hoffnung geschenkt. 1:1 gegen RB Leipzig, vier Spieltage vor Schluss, vier Punkte Rückstand. Der Tabellenletzte lebt – und wie er lebt!
Unterzahl, unmut, unverdrossenheit
Die Zahlen lagen gegen sie. Gelb-Rot für Felicia Sträßer in der 63. Minute, sechs Minuten später Lisa Baums Führung für Leipzig, ausverkauftes Haus, aber längst keine ausverkaufte Partie mehr. Die Gäste aus Sachsen hatten den Matchplan geduldig umgesetzt, Jena wirkte wie ein Boxer auf der Seile, der die Arme schon sinken ließ. Doch Jaron, erst zwölf Minuten zuvor eingewechselt, nahm den Ball, legte ihn auf 28 Meter, schloss die Augen einen Herzschlag lang und schickte ihn mit dem Innenrist genau dort, wo Torhüterin Vanessa Fischer keine Hand mehr hinstellen konnte.
Plötzlich tobte wieder Mitte März in Thüringen, plötzlich war da dieser eine Punkt, der zwischen Hoffnung und Resignation schwankt. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch spielen können“, sagte Jaron später, das Haar noch nass vom Regen der Nachspielzeit. Ihr Tor war bereits das dritte Saisontreffer, aber keiner war wichtiger.

Leipzig verpasst den sprung nach vorne
RB Leipzig dagegen bleibt auf Platz zehn stehen, die Serie ohne Niederlage zwar intakt, doch der Gesamteindruck bleibt lau. Zu viele Chancen ließen sie liegen, zu oft verflachte ihr Spiel, sobald Jena nach dem Platzverweis das Risiko erhöhte. Mittelfeldspielerin Lou-Ann Joly fehlte mit Syndesmoseband-Problem, doch das war nur Teil der Wahrheit. Die Wahrheit ist: Leipzig verpasste den Sprung auf Rang acht, weil sie sich mit einem Remis zufriedengab, bevor das Spiel wirklich entschieden war.
Die Statistik? Die sieben Spate ohne Pleite mögen beruhigen, doch die Tordifferenz von 8:9 in diesem Zeitraum verrät: Leipzig traut sich derzeit nur das Nötigste zu. Trainerin Katrin Müller versuchte sich nach Abpfiff in Gelassenheit: „Ein Punkt auf schwerem Terrain ist okay.“ Okay, aber eben auch nur das.

Jena darf wieder träumen
Für Jena dagegen zählt jetzt nur noch eins: Der Klassenerhalt ist kein Märchen mehr. Die Auswärtsspiele bei Turbine Potsdam und dem 1. FC Köln werden zu Endspielen, das Heimspiel gegen den SV Werder Bremen zur Glocke, die läuten könnte. Die Mannschaft von Trainerin Franzi Kramer hat bewiesen, dass sie auch mit zehn Spielerinnen eine deutsche Eintrittskarte in die Zweite Liga verhindern kann. Die Fans auf der Haupttribüne skandierten nach dem Abpfiff „Wir bleiben oben!“, und für einen Moment klang das nicht wie Wunschdenken, sondern wie ein Versprechen.
Am 5. April geht’s nach Potsdam. Drei Tage später empfängt Jena Bremen. Vier Punkte Rückstand, vier Spiele, ein Traumtor als Initialzündung. Manchmal reicht ein einziger Schuss, um eine Saison neu zu schreiben. Jena ist wieder im Geschäft – und der Abstieg plötzlich nur noch eine Option, keine Gewissheit.
