Tuchel singt erst im finale: hymnen-poker um den em-traum?
Dallas, Texas – Thomas Tuchel, der deutsche Coach am Spielfeldrand der englischen Nationalmannschaft, hat eine klare Ansage gemacht: Er wird die englische Nationalhymne „God Save The King“ erst dann mitsingen, wenn seine Mannschaft tatsächlich im Finale der Fußball-Europameisterschaft steht. Eine Geste, die im Vorfeld des ersten Gruppenspiels gegen Kroatien für Gesprächsstoff sorgt.

Die hymne als zeichen des respekts – oder doch nicht?
Während der bisherigen Länderspiele der „Three Lions“ unter Tuchel blieb der 52-Jährige demonstrativ stumm, als die Nationalhymne erklang. Ein Verhalten, das nun im Rahmen einer TV-Befragung erneut bekräftigt wurde. „Noch nicht“, antwortete Tuchel schmunzelnd auf die Frage, ob er beim Turnier in den Vereinigten Staaten mitsingen werde. „Ich denke, so weit sind wir noch nicht. Ganz am Ende vielleicht. Ich bin immer noch etwas schüchtern. Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen und auch nicht, dass der Fokus jetzt darauf liegt.“
Die Fans in Arlington dürfen sich auf eine fulminante Atmosphäre freuen: Rund 80.000 Zuschauer werden erwartet, wenn England am Sonntagabend gegen Kroatien ins Turnier startet. Ob unter ihnen auch Anhänger sind, die einen mitsingenden Tuchel erleben möchten, bleibt abzuwarten. Tuchel selbst scheint sich der Aufmerksamkeit bewusst zu sein, betonte aber, dass er den Text der Hymne kennt – „So schwierig ist das nicht“, witzelte er.
Die Hymnen-Haltung von Tuchel steht im Kontrast zu anderen Trainern. Sven-Göran Eriksson, der England zwischen 2001 und 2006 betreute, sang zwar die Hymne, wirkte dabei aber selten textsicher. Sein Nachfolger, Fabio Capello, verzichtete während der WM 2010 in Südafrika komplett auf Gesang und stand stoisch an der Seitenlinie. Tuchel wird also eine neue Ära in der englischen Nationalmannschaft einleiten – mit einer Hymnen-Strategie, die so einzigartig ist wie seine Fußballphilosophie.
Die Reise nach Texas, wo das Team um den ersten Sieg kämpft, wird zweifellos ein emotionaler Höhepunkt für die englischen Fans. Doch bevor der Traum vom EM-Finale Wirklichkeit wird, muss Tuchel seine Mannschaft erst einmal durch die schwierige Gruppenphase führen. Und vielleicht, nur vielleicht, wird er dann doch noch die Kehle öffnen und mit den „Three Lions“ singen. Die Chance dazu, rückt mit jedem gewonnenen Spiel näher.
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