Tuchel schlägt zurück: warum alexander-arnald plötzlich rausflog
Thomas Tuchel hat den Bogen gespannt. 48 Stunden vor der WM-Kader-Bekanntgabe lässt der englische Verband durchsickern, dass Trent Alexander-Arnold nicht dabei ist – und löst damit den größten Shitstorm seiner kurzen Three-Lions-Karriere aus.
Lineker spuckt gift: „das ist eine beleidigung“
Gary Lineker, 80 Länderspiele, Sturm-Ikone, BBC-Gott. Er schaltet sich in seinem Podcast „The Rest Is Football“ ein und redet Tuchel schlecht. „Ihr wisst, dass ich Trents größter Fan bin. Fußballerisch gibt es kein Argument.“ Die Stimme wird schärfer. „Das ist persönlich. Muss sein. Sonst ergibt das null Sinn.“
Tuchel hatte zuvor erklärt, er suche „Balance“ und „Zuverlässigkeit ohne Ball“. Dafür holt er statt des Champions-League-Siegers lieber Ben White nach – obwohl der Arsenal-Verteidiger selbst vor zwei Jahren freiwillig den WM-Standort verlassen hatte. Lineker lacht bitter: „White ist ein guter Spieler. Aber auf dem Level von Alexander-Arnold? Mit dem Ball am Fuß? Vergiss es.“
Die Zahl, die alles sagt: 19 Vorlagen in 43 Pflichtspielen für Real Madrid. Kein englischer Außenverteidiger kommt auch nur halb so nah an diese Quote heran. Tuchel dagegen schwört auf „Kompaktheit“, setzt Kyle Walker und Reece James vor den 25-Jährigen. Dass Walker in der Premier-League-Saison bereits drei Muskelbündelrisse abbekam? Fehlanzeige im DFB-Stützpunkt St. George’s Park.

Der plan hinter dem rauswurf
Insider berichten von einer Trainingseinheit Anfang Mai, in der Alexander-Arnold nach einer Ballverlust-Serie die Hände in die Högen warf und lautstark Nachdruck forderte. Tuchel, so heißt es, habe das als Kritik an seiner Staff-Organisation gewertet. Seitdem sprach er mit dem Rechtsverteidiger nur noch über Assistenten. Körpersprache: eisig.
Die Folge: ein 26-köpfiger Kader, der platz für zwei zusätzliche Innenverteidiger bietet, aber keinen Spezialisten für diagonale Diagonalbälle. England trifft in der Gruppenphase auf Serbien, Dänemark und Slowenien – Teams, die tief stehen und sich gerade mit Flügelsturm-Runs auseinandernehmen lassen. Genau dafür braucht man jemanden, der in der Lage ist, einen 40-Meter-Steilpass auf den Fuß zu setzen. Kurz: Alexander-Arnold.
Tuchel riskiert sein erstes großes Turnier, ohne die meiste Magie am rechten Flügel. Lineker hat schon den nächsten Podcast-Titel parat: „Wenn England in der K.o.-Runde ausschaltet, wissen wir, warum.“ Die Wette steht. Die Uhr tickt. Und die Insel diskutiert, ob der deutsche Coach mutig oder einfach nur stur ist. Seine Antwort bekommen wir am 16. Juni in Gelsenkirchen – wenn die Three Lions das erste Mal auflaufen. Ohne Trent. Mit viel zu beweisen.
