Thw kiel dreht die nord-dreifach-trilogie und schiebt flensburg die cl-angst vor
37:33, 116. Derby, 68. Kieler Sieg – und plötzlich ist der Rekordmeister wieder im Geschäft. Nach zwei Europapokal-Klatschen gegen Flensburg revanchierte sich der THW gestern in der Sparkassen-Arena, schob die SG mit dem dritten Derbysieg binnen vier Wochen auf die Verfolgerrolle und nagelt sie an die Frage: Wie viel Luft bleibt für die Champions-League-Träume, wenn Kiel jetzt erst richtig dampft?
Die Antwort lieferte Mykola Bilyk, vielleicht zum letzten Mal im Kieler Dress: „Bei uns ist jedes Spiel Do-or-Die.“ Der Österreicher traf sieben Mal, verabschiedete sich mit einem Grinsen, das noch bis Luzern reicht. Denn wer die letzten drei Derbys in Serie gewinnt, der darf sich auch erlauben, von einer „inoffiziellen Nordmeisterschaft“ zu sprechen – Stand 3:1 für Kiel, Endstand offen, weil European-League-Final-Four in Hamburg droht.
Die maschine läuft – und jicha wischt die zweifel weg
Trainer Filip Jicha hatte nach der 24:29-Pleite in Stuttgart den Selbstschutz abgelegt. Was gestern folgte, war kein Sieg, sondern ein Statement: 60 Minuten Pressing, 23:17 zur Pause, ein Rasmus Ankermann, der die Halle zum Kochen brachte. „Wir haben Flensburg die zwei Punkte geklaut“, sagte der 22-Jährige und klang dabei wie ein Bankräuber, der weiß, dass er morgen wieder zur Arbeit muss – in Melsungen, gegen die MT, nächster Prügelbau.
Die Tabelle lügt nicht, aber sie schummelt. Flensburg steht bei 39:11 Punkten, Kiel bei 36:14. Doch die SG muss noch nach Magdeburg und Berlin, während der THW mit Außenseiter-Missions-Modus durch den Restplan düst. Domagoj Duvnjak gab den Kompass vor: „Wir wollen jedes Spiel bis Saisonende gewinnen.“ Neun Partien, neun Finals – die Champions-League-Formel ist simpel: keine Fehler, viel Glück, noch mehr Zweikampf.

Möller-show rettet flensburg vor der blamage
Flensburg hätte fast den Kollaps des Jahres erlebt. Elf Tore hinten, dann schaltete Emil Jakob Möller den Turbo, traf acht Mal in 18 Minuten und nagelte seine Mitspieler an die eigene Wand. Doch die SG fand nur bis auf 33:35 heran, nicht tiefer. Torhüter Bartłomiej Daszek schlug zweimal zu, dann war die Luft raus. „Heute war kein Tag für zwei Punkte“, sagte Möller und klang, als hätte er das Spiel allein verloren – statt es fast allein gedreht.
Die Konsequenz: Flensburg muss jetzt auf fremden Parkett die Playoff-Plätze verteidigen, während Kiel den Turbo zündet. Die SG hat das schwerere Restprogramm, die Zebras den Schwung – und die Psyche auf ihrer Seite. „Das ist es, wie THW-Handball funktioniert“, sagte Bilyk. Er weiß: Wer drei Derbys in Folge gewinnt, der glaubt auch an das vierte. Hamburg wartet, Luzern auch. Aber erst einmal Melsungen – und dann sieht die Welt schon wieder anders aus.
