Letzter sprint nach otepää: deutsche mixed-staffel jagt podest vor heimkamera
14.40 Uhr, letzte Chance, rote Nummern im Schnee: In Otepää donnert die Mixed-Staffel über die estnischen Berge, und für Philipp Nawrath, Philipp Horn, Selina Grotian und Julia Tannheimer heißt es jetzt oder nie. Punkte, Prestige, Selbstvertrauen – alles in 24 Minuten Schuss und 24 Kilometer Lauf.

Das quartett muss liefern, sonst droht rang fünf im nationencup
Der Deutsche Skiverband hat seine Hausaufgaben gemacht: Nawrath mit der ruhigsten Liegend-Serie der Saison, Horn als Anker mit 92 % Trefferquote im Training, Grotian frisch von der Junioren-WM, Tannheimer als Dauerläuferin mit der zweitbesten Zeitenliste. Trotzdem: Im Gesamtwertungssoll fehlen 42 Zähler auf Norwegen. Ein Sieg holt 60. Die Mathematik ist gnadenlos klar.
Die Strecke ist kein Schleifchen. Pro Athlet 150 Höhenmeter, 150 Meter Strafrunde, zwei Schießeinlagen, erst liegend, dann stehend. Die Startreihenfolge Frau-Mann-Frau-Mann zwingt Taktik: Grotian muss das Feld auseinandernehmen, Nawrart darf keine Extrarunde riskieren, Tannheimer muss im Finale die Beine wegschnellen. Wer zwei Mal strafen muss, verliert 40 Sekunden – das ist halbe Minute zu viel gegen Stina Nilsson oder Johannes Thingnes Bø.
Die Fans sehen die Jagd live im ARD-Hauptprogramm und parallel auf Eurosport. Streamer schalten Joyn, DAZN oder HBO Max ein, Ticker-Freaks klicken sich bei Sport1 durch die Zwischenzeiten. Die ARD berichtet ab 14.15 Uhr mit Trackern am Gewehr, Eurosport setzt auf Split-Screen, damit kein Schuss untergeht.
Die Bilanz der Saison bisher: Kein Podest in sieben Staffeln. Das war nie seit 2009. Bundestrainer Mark Kirchner spricht von „Feuertaufe statt Routine“, Co-Trainerin Kristina Knaben nennt es „Katalysator für Pyeongchang 2027“. Druck? „Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur Einzelkämpfer sind“, sagt Nawrath. Horn ergänzt: „Wenn wir heute liefern, glauben wir wieder an uns.“
Die Uhr tickt. Die Schneekanonen summen. Und irgendwo zwischen Estlands Fichten schreibt sich eine Viererkette die Antwort auf die Frage, ob Deutschland im Biathlon wieder ganz oben mitmischt – oder erst im nächsten Winter.
