Thuram stolpert: warum inter ohne tikus in der meister-endphase kaum zu retten ist
Der Ball prallt gegen Carnesecchis Oberschenkel, San Siro atmet auf – und stöhnt. Marcus Thuram reißt die Arme hoch, aber das Bild bleibt hängen: Versiebter Big Point, siebter Saisontreffer, halber Lautaro-Ersatz. Ohne Tikus auf Touren wirkt Inter plötzlich kurzsichtig.
Die 14-tore-marke rückt in weite ferne
2023/24 traf er noch 13-mal, im Vorjahr 14. Jetzt steht er bei sieben, und die Statistik lügt nicht. Die Frage ist nicht, warum er das zweite Tor gegen Atalanta versenkte, sondern warum er es musste. Lautaro fällt aus, Sanchez altert, Pio Esposito boomt – aber erst mal nur in den Tabellen der Primavera. Chivu braucht einen Senior, der in die Tiefe sprintet und den Gegner umdreht. Stattdessen bekommt er einen Thuram, der den Ball am Fuß zirkelt wie ein Jongleur, der vergessen hat, dass die Show nach dem letzten Trick eigentlich das Tor ist.
Was Thuram früher in zwei Kontakten erledigte, verschleißt er jetzt an drei. Das rechte Außenband scheint heil, aber die innere Uhr tickt langsamer. Die Kurve bemerkt es, sie pfeift keine Boshaftigkeit, sondern Angst. Denn wenn der Franzose nicht trifft, bleibt nur noch Dzeko-Gedächtnis und ein Blick auf die Roma, die hinten aufschließt.

Chivus letztes aufgebot muss tikus wieder entfachen
Die Lösung kann kein 4-2-3-1 mit Arnautovic als falscher Neun sein, denn der Österreicher ist selbst ein Projekt. Die Lösung heißt Entlastung: früherer Ballgewinn, schnellere Umschaltmomente, diagonal in den Lauf, statt diagonal in den Dribbling-Dschungel. Thuram muss wieder laufen, als hätte er den Gegner in den Rippen, nicht zwischen den Ohren. Drei Siege bis zur Kurve, das weiß jeder im Meisterrennen, und Thuram steht vor der Quadratur: entweder er wird zum Thuram der 14-Tore-Saison – oder Inter wird zur Saison der vergebten Chancen.
Die Uhr tickt, die Kurve wartet. Wenn Tikus in den letzten sieben Spieltagen nicht trifft, trifft es Inter. Dann steht am Ende nicht nur eine enttäuschte San-Siro-Kurve, sondern auch eine Meisterschaft, die nach Mailand schielte, aber letztlich in Turin oder Neapel landet. Thuram hat 630 Minuten, um sich selbst – und die Nerazzurri – zu retten. Keine Show, kein Tamtam: nur Zahlen, die endlich wieder nach vorne zählen.
