Thun verspielt im letzigrund den rhythmus – bertone zieht die notbremse

Der FC Thun reiste als Tabellenführer in die Stadt, verließ sie aber als Lehrling. Die 1:3-Pleite im Letzigrund war mehr als ein Ausrutscher – sie war ein Warnsignal mitten in der heißen Phase der Saison.

Bertone bricht das schweigen: „wir haben uns weggetragen lassen“

Leonardo Bertone spricht nicht lange um den heißen Brei herum. „Wer denkt, man kann eine Meisterschaft ohne Widerstände gewinnen, der irrt“, sagt der Mittelfeld-Regisseur nach dem Schlusspfiff. Die Worte klingen wie eine Kampfansage an die eigenen Reihen. Denn genau diese Robustheit fehlte der Berner Truppe nach der Pause. Plötzlich lagen die Bälle nicht mehr da, wo sie hingehörten, sondern dort, wo der FC Zürich sie hinbugsierte – ins Zentrum, in die Schnittstellen, ins Toreschießen.

Die Statistik lügt nicht: Vor der Pause 58 Prozent Ballbesitz, danach nur noch 42. Zweikampfquote brach von 56 auf 38 Prozent ein. „Zürich wurde griffiger“, analysiert Berton knapp. Was er verschweigt: Thun wurde weicher. Die sonst so präzisen Kombinationen verpufften, die Räume wurden kleiner, die Nerven größer.

Sanches trifft doppelt – und trotzdem steht die abwehr am pranger

Sanches trifft doppelt – und trotzdem steht die abwehr am pranger

Dass Dario Sanches mit einem Doppelpack in die Topelf der Runde rutscht, ist das einzige Trostpflaster. Doch Torschützenkönige gewinnen keine Meisterschaften, sondern Mannschaften, die auch mal 0:2 hintenlegen und trotzdem noch ein Unentschieden retten. Genau diese Mentalität fehlte. Stattdellen wirkte die Hintermannschaft wie ein offenes Tor, durch das der FCZ nach Belieben ein- und ausspazierte.

Die Aufstellung von Trainer Carlos Bernegger wirkte in der zweiten Hälfte wie ein Puzzle mit falschen Teilen. Die Umstellung auf eine Dreierkette kam zu spät, die Wechsel verpufften. Thun spielte sich in der eigenen Unsicherheit fest.

Die konstanz ist das neue spitzenspiel

Die konstanz ist das neue spitzenspiel

Nun steht der FC Thun vor der Quadratur des Kreises: Wie verwandelt man eine Mannschaft, die in der Lage ist, aufzuregen, aber nicht durchzuhalten? Die Antwort liegt nicht in neuen Taktikbüchern, sondern in den Köpfen. Fünf Auswärtsspiele, drei Heimniederlagen – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer die Meisterschaft gewinnen will, muss auch in Basel, St. Gallen oder eben Zürich Punkte holen, nicht nur im eigenen Stadion.

Die nächsten Gegner lesen sich wie ein Who-is-Who der Super League: YB, Basel, Luzern. Kein Platz mehr für Experimente. Die Lehre aus dem Letzigrund lautet: Wer nicht 90 Minuten lang bei sich selbst bleibt, wird 90 Minuten lang von sich selbst überrascht. Thun hat die Wahl: entweder jetzt lernen – oder im Mai zuschauen.