Thun schlägt bayern und co.: 10 siege, 0 gnade – europas heisseste serie lebt in der schweiz

Ein Dorfklub mit 11‘000 Einwohnern sitzt am 3. März 2026 auf Europas Siegerpodest – und lässt Bayern München, Real Madrid und Barcelona alt aussehen. Seit dem 16. Dezember hat FC Thun in der Super League zehn Mal nacheinander abgepfiffen, ohne auch nur einen Punkt abzugeben. Kein anderes europäisches Top-Team kommt dieser Tage an diese Zahl heran.

Mauro lustrinellis mannschaft schreibt geschichte – und will mehr

Die Serie begann mit einem 4:1 gegen Winterthur, setzte sich über Gala-Auftritte in Basel und Bern fort und schraubt sich jetzt auf Rekordkurs. Nur drei Siege fehlen, um die Bestmarke des FC Basel aus der Saison 2003/04 zu egalisieren. Ein vierter Erfolg in Serie würde Thun zur alleinigen Super-League-Legende machen.

International liegt nur PSV Eindhoven mit 13 Siegen vorne – doch die Holländer feierten ihre Serie zwischen September und Januar, als die niederländische Liga Winterpause machte. Thun liefert dagegen unter Hochdruck, Woche für Woche, bei Minusgraden und engem Kader. «Wir haben keine Sterne auf der Brust, nur Blut an den Knien», sagte Captain Fabian Rieder nach dem 2:0 in Luzern. Die Aussage ging durch die Kabine wie ein Lauffeuer.

St. gallen und lugano – letzte stolpersteine?

St. gallen und lugano – letzte stolpersteine?

Das nächste Opfer heisst St. Gallen. Donnerstag, 20.30 Uhr, Stockhorn Arena. Die Ostschweizer sind eines von zwei Teams, die Thun seit Dezember noch nicht schlagen konnte – einfach, weil sie sich nicht gegenüberstanden. Trainer Leonard Kübler verspricht: «Wir werden sie nicht feiern, wir werden sie jagen.»

Die Zahler sprechen für sich: 23 Tore in zehn Spielen, nur vier kassiert. Die xG-Statistik (erwartete Tore) listet Thun seit Januar auf Platz 2 Europas hinter FC Porto. Doch hinter den Kulissen schuftet ein Team, das kaum jemand beobachtet. Fitnesscoach Martin Meienberger bandierte jeden Spieler ein individuelles Belastungs-Profil, Co-Trainerin Nadine Fässler analyisiert Gegner in 15-Minuten-Schritten. «Wir sind kein Zauberclub», sagt Lustrinelli, «wir sind ein Labor.»

Die Thuner Serie ist deshalb keine Laune des Fußballgottes, sondern das Ergebnis von Mikro-Cycles, Schlaftracking und Video-Sessions bei 6:30 Uhr. Während andere Klubs Millionen in Transferbomben stecken, investiert Thun in Millisekunden – und die summieren sich zu Siegen.

Wenn St. Gallen fällt, liegt der Rekord in Reichweite. Und dann? Dann reist Thun nach Lugano, wo die Tessiner seit drei Jahren ungeschlagen sind. Danach winkt Europa – und vielleicht sogar ein Platz in der Champions-League-Quali. Die Berner Oberländer haben die Super League längst in einen Crash-Test verwandelt: Wer hält durch, wer bricht weg? Bisher antwortet nur eine Mannschaft: Thun. 10 Siege, 0 Gnade. Die Stunde des FC Thun ist noch längst nicht vorbei.