Tauwetter-gold! junioren-staffel rettet deutsches wm-finale
Die Zähne bleiben weiß, die Daunenjacken trotzdem. Am Ende dieses schmuddeligen Schmelzwinter-Wochenendes im Bayerischen Wald schob sich die deutsche Junioren-Staffel als letztes deutsces Eisbrecher durchs Ziel – und schlägt das versöhnliche Gold ein, das der DSV-Delegation noch die Rote bewahrt.
Die bilanz nach 14 tagen krawall
Sieben Podestplätze hatte der Deutsche Skiverband sich ausgerechnet – es wurden zwei. Sydney Wüstling, 17, Schultern noch nicht breit genug für die Kofferträger, liefert bemaltes Metall: Bronze im Sprint, Gold in der Staffel. „Das ist keine Magie, das ist reine Nervenkraft“, sagt Mark Hoffmann, DSV-Nachwuchskoordinator, und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass er verdammt viel Glück hatte.
Denn die Jungs? Null Medaillen. Krankheiten, Schneematsch, Schießschwächen – das deutsche Männer-Quartett schlurfte mit leeren Händen nach Hause. Lukas Tannheimer, jüngerer Bruder von Weltcup-Zugpferd Julia, zeigte zumindest Schaufelkraft: Platz zehn im Sprint, aber am Schießstand fehlte die letzte Kühle. „Er rennt mit den Besten, verliert aber zu oft die Seele in der Schreibmaschine“, analysiert ARD-Experte Christian Dexne.

Tauwetter als gegner nummer eins
Plus 12 Grad, Schnee wie Puderzucker in der Sonne. Die deutschen Wachmeister haben ihre Ski gebogen, bis die Kanten glühten – doch Norwegen und Frankreich fuhren auf gelösten Flocken wie auf Schienen. „Wir haben die Antworten zu spät gefunden“, räumt Hoffmann ein. Was half: Die Mädchen schlichen sich in der Staffel an den Favoritinnen vorbei, weil sie eben genau dieses lästige Wetter als Verbündeten nutzten: weniger Druck, mehr Spielfreude.

17 Jahre alt, zwei medaillen, kein abi
Sydney Wüstling wird am Dienstag wieder in Oberhof den Schulstuhl warmziehen. Davor aber hängt ihr jetzt ein Stück Gold um den Hals, das schwerer ist als jeder Schulranzen. „Ich wollte nur meine Schüsse treffen, nicht die Welt retten“, sagt sie und klingt, als hätte sie gerade erst begriffen, dass sie genau das getan hat – zumindest für den deutschen Biathlon-Nachwuchs.
Der Rest der Truppe muss nun beweisen, dass diese WM kein Abgesang war, sondern ein Aufwachruf. 18 Monate bleiben, bis die ersten Herren der neuen Generation in den Weltcup einsteigen sollen. Hoffmann nennt das „eine Ewigkeit in der Jugend“. Die Zahlen sagen: Wer heute 20 ist und keine Top-15 hat, wird morgen 23 und steht auf der Bank. Die Uhr tickt lauter als je zuvor.
Und die Mädchen? Die haben bereits bewiesen, dass sie im Schneematsch genauso schnell sind wie auf Eis. Das Gold von Sydney Wüstling und Co. ist kein Trost, sondern ein Vorsprung. Der Rest muss nachlaufen – oder untergehen in der Schmelze.
