Steffen zerstört die torwart-tradition: thuns nummer 1 lässt basel und yb alt aussehen
12 Jahre lang bestimmten FC-Basel- und YB-Keeper die Statistik, wer am längsten ohne Gegentor blieb. Jetzt führt mit Niklas Steffen ein Thuner Schlussmann die Rangliste an – und das bei einem Aufsteiger, der als Offensivpower in die Saison startete.
Ein gegentor alle 81 minuten – die neue benchmark
Die Zahl klingt nach Tippfehler, ist aber offiziell: 81 Minuten vergehen durchschnittlich, bis Steffen das Netz hinter sich auskugeln muss. Zum Verglelich: Letzte Saison hielt Jonas Omlin (damals Basel) alle 73 Minuten dicht – und galt als unschlagbar. Der Thuner überflügelt ihn also um ganze acht Minuten, obwohl seine Vorderleute vor dem Winter noch als „lustige Offensivtruppe“ gelten, nicht als Mauer.
Der 25-Jährige selbst schiebt den Erfolg auf „Kollektivstruktur“ und „Trainingsintensität“. Klingt nach Standardantwort, bis man die Videos analysiert: Steffen verlässt sein Sechzehnmeter-Raum so oft wie kein anderer Keeper der Liga, schlätt langen Ballbesitz der Gegner im Keim. Seine Raumdeckung liegt bei 18,4 Prozent – Liga-Durchschnitt: 11,2. Wer so früh abräumt, verhindert Schüsse, bevor sie entstehen.

Warum basel und yb plötzlich nachrutschen
Die Traditionsklubs schlafend? Nicht ganz. Basel wechselte im Sommer gleich zwei Torwart-Talente aus, vertraut nun auf den erst 20-jährigen Tim Spiess, der noch mit den Sprungreflexen seiner Juniorenzeit kämpft. Bei den Young Boys fehlt die gesamte Abwehr-Rückgrat wegen Verletzung und Afrika-Cup – von Ballmoos steht teils hinter einer Not-IV aus zwei U-21-Spielern.
Thun dagegen nutzte die Transferperiode clever: Linksverteidiger Léo Lefort kam aus Paris, liest Spielzüge wie E-Books. Innenverteidiger Jan Wittek spielte zweite Liga in Deutschland, kennt die harten Zweikämpfe. Das Duo kostete zusammen 350‘000 Euro – weniger als ein Viertel der Ablöse, die YB für Sturm-Juwel Elia zahlte. Resultat: weniger Schüsse auf Steffen, mehr Punkte auf dem Konto.

Der kommende stress-test: lausanne und luzern lauern
Am Samstag gastiert Thun im Stade de la Tuilière, wo Lausannes Angriff um Chaaleli und Nsame schon auf die nächste Explosion lauert. Drei Tage später folgt in Luzern das traditionell hitzige Zentralderby. Steffen selbst sagt lapidar: „Wenn wir dort auch nur annähernd so stehen, reden alle plötzlich vom Titel.“
Die Meisterschaft ist noch lang, klar. Doch wer die beste Quote nach zwölf Spieltagen hat, dem trauen selbst eingefleischte Basel-Fans zu, dass am Ende nicht nur eine Europacup-Quali steht. Thuns Budget mag ein Zehntel der Grossklubs entsprechen – mit jedem zusätzlichen Punkt verwandelt sich diese Zahl in reine Pokergewinne. Und Steffen? Der sammelt gerade ungewollte Fans aus Basel und Bern ein, die seine Statistik als Warnung begreifen: Der Mythos, dass nur die Grossen dicht stehen, ist Geschichte.
