Stefan nyman bleibt: iserlohn roosters brechen mit wechsel-wahn

Endlich Ruhe an der Seilersee-Bande. Die Iserlohn Roosters gehen nach acht Trainerwechseln in ebenso vielen Jahren erstmals wieder mit demselben Coach in eine neue DEL-Saison – und das ist keine Routineentscheidung, sondern ein Kurswechsel mit Signalcharakter.

Warum nyman der schlüssel für den neuanfang ist

Stefan Nyman kam vor zwölf Monaten als Notnagel, blieb als Retter. Unter dem Schweden zeigte das Team nach der desolaten Hinrunde eine Leistungskurve, die Fans und Manager gleichermaßen aufhorchen ließ: 17 Punkte aus den letzten zehn Hauptrundenspielen, dazu ein Torverhältnis von plus 12 – nur die Top-Quartett München, Berlin, Mannheim und Wolfsburg war in diesem Zeitraum besser.

Die Roosters verpaserten zwar die Meisterrunde, doch die zweite Halbserie bewies: Wer Nymans System verinnerlicht, kann mit jedem Gegner mithalten. „Wir haben in der Rückrunde ein Play-off-Niveau abgerufen“, sagt der 47-Jährige, „und genau dieses Niveau wollen wir ab Oktober zur Normalität machen.“

Intern spricht man offen vom „Nyman-Effekt“. Der Coach setzte auf jüngere, hungrige Akteure wie den 19-jährigen Verteidiger Leon Hüttl, stellte die Defensive um und ließ Kapitän Ryan O’Connor endlich wieder als Quarterback agieren – statt ihn zu einem reinen Abräumer zu degradieren. Die Folge: Die Roosters kassierten nach der Weihnachtspause weniger Gegentore als jede andere Liga-Mannschaft außer den späteren Meister München.

Die stilllegung des trainerkarussells

Die stilllegung des trainerkarussells

Sportdirektor Franz-David Fritzmeier nennt die Entscheidung für Nyman „die wichtigste Personalie seit der Rückkehr 2016“. Tatsächlich war die Wechsel-Frequenz beispiellos: Seit dem Abstieg 2017 wechselten acht Trainer den Posten, keiner kam über zwei Saisons hinaus. Die Folge: Keine Kontinuität, kein Profil, kein Erfolg. Nun also das Experiment Stabilität.

Die Vertragsverlängerung gilt übrigens nicht nur für Nyman, sondern auch für sein komplettes Assistenzteam – erstmals seit der Saison 2017/18. Das soll Scouting, Videoanalyse und Nachwuchskoordination verzahnen, statt sie wie bisher alle halbe Jahr neu erfinden zu müssen. Ein Detail, das in der Öffentlichkeit untergeht, aber in der Liga für erhobene Augenbrauen sorgt: Iserlohn investiert damit gleichzeitig in Nachhaltigkeit statt in kurzfristige Panik-Reaktionen.

Die Fans reagierten erleichtert. Bereits am Freitag stiegen über 300 Dauerkarten-Neubestellungen ins System – ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Botschaft ist klar: Wer mitspielt, darf auch mitplanen. Und plötzlich glauben wieder alle daran, dass die Roosters mehr sein können als ein Dauerkandidat für Platz 13.

Die nächste Saison startet am 12. September mit einem Duell gegen die Düsseldorfer EG. Wenn Nyman dann erneut die Bande entlangläuft, wird er nicht nur Coach sein, sondern das Gesicht eines Projekts, das endlich Zeit bekommt. In Iserlohn hat man verstanden: Dauerfeuerwerk ist kein Business-Modell – aber Kontinuität schon.