Schmidt bleibt: trotz abstiegsangst hält er heidenheim fest

Frank Schmidt schlägt einen Haken. Am Donnerstag, 48 Stunden vor dem Duell mit Bayer Leverkusen, wirft der 52-Jährige den Gerüchten um seinen Rückzug den nächsten Satz hinterher: Ich bleibe. Kein „vielleicht“, kein „sollte sich ändern“. Stattdessen das knappe Bekenntnis: „Ich werde meinen Vertrag erfüllen.“

Die nacht, in der schmidt die richtung wechselte

Die nacht, in der schmidt die richtung wechselte

Erst am Montagabend hatte ihn ein Club-Event in die Schlagzeilen katapultiert. Dort hatte ein Zuhörer gefragt, ob er Deutschlands und Europas Rekordtrainer werden wolle – ein Seitenhieb auf die 1000-Punkte-Marke. Schmidt lachte, sagte: „Kein Thema.“ Viele hörten: „Keine Zukunft.“ Die Twitter-Timeline explodierte, Buchmacher senkten die Quoten auf einen Rücktritt bis Sommer. Jetzt also das Faktum: Der FCH-Coach zieht die Notbremse, bevor die Karosse in den Graben rutscht.

Die Tabelle sprielt gegen ihn. Zehn Punkte trennen Heidenheim vom Relegationsplatz, die Bundesliga-Luft wird dünner. Doch Schmidt nutzt die Drucksituation als Bühne. „Natürlich denke ich verstärkt nach – das liegt in der Natur der Sache“, sagt er und klingt dabei wie ein Lehrer, der gerade die Klassenarbeit zurückgibt. Dann der Punch: „Aber auf mich kann man sich verlassen.“

Damit rettet er nicht nur sein Image, sondern auch die Saisonplanung. Sport-Geschäftsführer Frank Baumann arbeitet bereits an der 2.-Liga-Kampagne, für die Schmidt weiter verantwortlich zeichnet. Der Vertrag läuft bis 2027, ein Ausstieg würde die Ablöse-Kasse sprengen. Es geht also ums Geld – und um die Seele des Vereins. Schmidt ist seit 2007 dabei, länger als jeder Bundesliga-Kollege im aktiven Dienst. Wer ihn absägen würde, sägte auch an der Identität des Kleinst-Klubs.

Die Spieler reagieren mit sichtbarer Erleichterung. Kapitän Patrick Mainka postierte nach der PK ein Foto mit Schmidt auf Instagram, dazu das Wort „Boss“ und einen Bierkrug-Emoji. Die Botschaft: Wir marschieren weiter – egal, ob im Oberhaus oder in der Zweiten Liga. Leverkusen-Coach Xabi Alonso schickte vor dem Spiel sogar eine SMS: „Respekt für die Klarheit.“ Kleine Geste, große Wirkung.

Heidenheim steht vor dem Abstieg, aber nicht vor dem Chaos. Schmidt bleibt, die Fahne weht, und die Kurve singt am Samstag vermutlich lauter denn je. Am Ende zählt nicht nur die Tabelle, sondern auch die Treue. Schmidt liefert – und das ist in Zeiten von Wechsel-Turbulenzen schon eine kleine Sensation.