Stamm zerreißt euphorie: 6:0 ist luftnummer – paderborn wird dresden erdrücken
Thomas Stamm hat nach dem historischen Klatsche gegen Preußen Münster die Bremse gezogen. 6:0? Für den Dynamo-Coach ein Schönwetterergebnis ohne Substanz. Vor dem Gastspiel beim Aufstiegskandidaten SC Paderborn warnt er seine Mannschaft vor einem Kalendersprung in die Realität.
Die tabelle lügt nicht – und stamm auch nicht
»Wir stehen da, wo wir hingehören: im Abstiegskampf«, sagt der 43-Jährige und schiebt den Kaffeepott beiseite. Rang zwölf, drei Punkte Vorsprung auf die Relegationszone, vier auf das Kellerende. Die Zahlen sind sein Sicherheitsgurt. Die 20 Tore in neun Rückrundenspielen? Schön, aber Paderborn spielt eine andere Liga der Härte. Im Hinspiel gewannen die Ostwestfalen 2:1 im Harbig-Stadion, Ex-Dresdner Mika Baur schoss den Siegtreffer. Stamm erinnert sich exakt an die Szene: »Wir haben ihn nicht richtig zugeordnet, das wird uns morgen nicht passieren dürfen.«
Die Aufholjagd der Sachsen ist trotzdem bemerkenswert. Noch im Dezember Tabellenletzter, jetzt zweitbeste Rückrundenmannschaft hinter Hannover. Neun verschiedene Torschützen – das macht sie unberechenbar, aber auch anfällig für Selbstüberschätzung. Stamm: »Wenn wir glauben, das 6:0 wäre die Wahrheit, fliegen wir Samstag raus. Paderborn presst, schaltet um, spielt mit Tempo und hat eine klare Spielidee. Wir müssen jeden Ball gewinnen, sonst gewinnen wir nichts.«

Keller sucht tor-rekord, stamm sucht punkte
Innenverteidiger Thomas Keller erzielte in der Rückrunde schon drei Tore, zuletzt beim 2:2 in Schalke. Seit Februar hat er nicht mehr getroffen – für Stamm kein Zufall: »Standards sind unser Sekret. Wenn Keller wieder köpft, ist das ein Indiz, dass wir die Zweikämpfe dominieren.« Der Coach schmunzelt, aber nur kurz. Der SC Paderborn hat nur drei Punkte weniger als Spitzenreiter Schalke, ist seit dem Jahreswechsel nur einmal unterlegen. Die Zahlen sind sein zweiter Sicherheitsgurt.
Die Dresdner Fans träumen lautstark vom Klassenerhalt, doch Stamm verbietet jedes Feiern. »Wir haben noch gar nichts erreicht«, wiederholt er wie einen Mantra. Die Mannschaft habe das verinnerlicht, sagt er und meint: »Wer Samstag nicht bereit ist, 95 Minuten zu leiden, soll jetzt aussteigen.«
Die Botschaft ist klar: Paderborn wird Dresden die Luft nehmen, wenn die Schwarz-Gelben nur an das 6:0 denken. Stamm beendet die Pressekonferenz mit einem letzten Satz: »Für uns zählt nur der nächste Punkt, nicht der letzte Torregen.« Dann verschwindet er Richtung Teambus – und lässt die Euphorie draußen vor der Tür.
