Spalletti wirft boga als falsche neun gegen krankheitsgebeuteltes sassuolo
Mattia Perin stellt sich zwischen die Pfosten, Jérémy Boga täuscht als falsche Neun – und Fabio Grosso muss auf mehrere Spieler verzichten, weil eine Keuchhusten-Welle durchs Sassuolo-Lager fegt. Die 30. Serie-A-Runde liefert vor dem Abpfiff in Turin ein Kleines Fest der Umstellungen.
Aufstellung als dominoeffekt
Luciano Spalletti nutzt die personelle Breite seiner Juve. Nach Siegen gegen Pisa und Udinese vertraut er erneut dem flexiblen 4-2-3-1. Die Viererkette liest sich wie ein Katalog moderner Außenverteidiger: Kalulu rechts, Cambiaso links, Bremer und Lloyd Kelly in der Mitte. Davor sorgen Thuram und Locatelli für Ballstau, Conceiçao, McKennie und Yildiz treiben die Gegenpressing-Welle. Die größte Überrasnung: Boga rückt nominell in die Sturmspitze, wird aber permanent ins Mittelfeld kippen – ein Script, das Spalletti schon in der Europa League erprobt hat.
Gegenüber ein Not-Programm. Fabio Grosso verlor zuletzt gleich mehrere Profis an Pertussis-Erkrankungen. Die 4-2-3-1-Ordung bleibt zwar bestehen, doch die Namen dahinter mutieren. Muric sichert das Tor, eine Innenverteidigung aus Walukiewicz, Muharemovic, Idzes und Garcia wurde in dieser Formation noch nie zusammen aufgelaufen. Wranckx-Koné im Zentrum klingt nach Kraft, aber nach wenig Spielrhythmus. Vorne soll Pinamonti als einzige Spitze draußen halten, flankiert von Berardi, Volpato und Bakola – ein Trio, das in dieser Saison erst 173 gemeinsame Ligaminuten aufweist.

Die zahl, die stutzig macht
Die Expected Goals der letzten fünf Spiele sprechen eine klare Sprache: Juventus 8,4, Sassuolo 3,1. Doch der Underdog gewann das letzte Gastspiel in Turin – mit 3:0. Pinamonti traf zweimal innerhalb von sieben Minuten. Genau diese Erinnerung schwebt über dem Allianz-Stadion, als die Lautsprecher die Anpfiff-Countdown-Hymne drohnen.
Zoom man auf die Taktik-Karte, zeigt sich ein interessantes Muster: Spalletti wird seine Halbräume mit McKennie als zweite Ballmaschine besetzen, während Conceiçao die Außenbahn bis zur Grundlinie runter ackert. Grosso kontert mit einem 5-4-1 ohne Ball, das sich in Sekundenschnelle zu einem 3-2-5 entfaltet, sobald Muric den ersten Pass schlägt. Das Risiko: die extrem hohe Defensive Line von Juve kann durch Pinamontis Laufwege hinter die Innenverteidigung entzweit werden.
Kurz vor Anpfiff flimmert ein Banner über die Curva Sud: "Chi non salta bianconero è" – ein Spieß, der die Schwarz-Weiß-Spaltung der Stadt auf den Punkt bringt. Die Stimmung kocht, 20.000 Fans schwenzen Schals, die Kamera zoomt auf ein Kind mit Nummer 10-Trikot: Yildiz, heute erstmals in der Startelf. Seine Eltern sitzen in Reihe 17, Block 114. Der Vater hält die Hände zum Gebet gefaltet.
Schlussendlich bleibt eine Erkenntnis: Die Tabelle lügt selten, aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte. Wenn Grossos improvisiertes Ensemble den Favoriten ins offene Messer laufen lässt, könnte die Punkteteilung die Meisterschaft wieder neu aufrollen. Juve braucht einen Sieg, um den Anschluss an Inter nicht zu verlieren. Sassuolo braucht drei Punkte, um nicht im Abstiegsstrudel zu versinken. Beide Trainer wissen: Wer heute zögert, wird morgen gezählt.
