Snowboard-crash im paralympics-training: riccardo cardani verliert bewusstsein – helm zerbrochen

Riccardo Cardani liegt auf der Intensivstation. Der 28-jährige Snowboardcross-Fahrer stürzte heute Vormittag bei einem Trainingslauf in der Halfpipe von Cortina, sein Helm zerbarst beim Aufprall auf hartem Eis. 45 Sekunden lang war das blaue Azzurri-Trikot regungslos im Schnee. Erst als der Notarzt eintraf, bewegte sich Cardanis Brust wieder – zitternd, aber konstant.

Die 45 sekunden, die alles veränderten

Die 45 sekunden, die alles veränderten

Zeugen berichten von einem harmlos wirkenden Fehltritt. Cardani wollte nach einem Backside-180 das Board wieder einfangen, das Hinterende rutschte weg, er drehte sich um die eigene Achse und knallte mit voller Wucht kopfüber auf die gefrorene Pipe. „Es klang, als würde ein Glas auf Beton fallen“, sagte Teamkollege Fabrizoletti, der als Erster bei ihm war. Der Helm splittrte entlang der linken Schläfe, die Gopro-Kamera auf dem Visier flog in drei Teile.

Cardani ist nicht irgendein Athlet. Der Mailänder verlor mit 17 Jahren nach einem Motorradunfall die volle Funktion seines rechten Arms, wechselte vom Motocross zum Snowboard und feierte 2022 in Lillehammer seinen ersten Weltcup-Sieg. In Cortina sollte er neben Snowboardcross auch Banked Slalom fahren – zwei Startnummern, eine Medaille als Ziel. Nun liegt er stattdessen mit Schädelprellung und HWS-Distorsion im San-Matteo-Krankenhaus in Pavia. Die CT war bis 14:30 Uhr noch nicht abgeschlossen, das ärztliche Kommuniqué vermeldet lediglich „vorerst stabile Vitalfunktionen“.

Das italienische Paralympische Komitee reagierte mit Schweigen statt Schuldzuweisung. Präsident Luca Pancalli ließ über die Pressestelle verlauten: „Wir haben die interne Sicherheitsprüfung bereits eingeleitet, aber im Moment zählt nur Riccardo.“ Die internationale Föderation IPC schickte einen eigenen Unfallermittler, die Halfpipe wurde für den Rest des Tages gesperrt. Zu viele Fragen: War der Helm zu alt? War das Snow zu hart? Oder war es einfach der Preis für einen Sport, der an der Grenze zur Schwerkraft operiert?

Cardan letzter Instagram-Post – ein Selfie vor der roten Abfahrt von Cortina mit dem Kommentar „Ready to fly“ – wurde binnen zwei Stunden 40.000 Mal kommentiert. Die meisten schreiben „Forza Riky“, einige fragen, warum es keine Helmpflicht für Trainingsläufe gibt. Die Antwort lautet: Es gibt sie. Aber Kontrollen finden nur bei Wettkämpfen statt. Und Training ist Training – irgendwo zwischen Vorbereitung und Selbstüberschätzung.

Die Paralympics starten in einer Woche. Ob Cardani dabei ist, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden. Die Ärzte wollen ein zweites CT abwarten, das Hirnödem könnte noch anschwellen. Sein Trainer hat die Startnummer 7 bereits zurückgegeben – vorsichtshalber. Eine leere Hülle, ein zerbrochener Helm und 45 Sekunden Schweigen, die die ganze Sportwelt in Atem halten.