Slovakischer spieler des jahres: hancko zittert im bernabéu – und wird zum atlético-dauerbrenner

David Hancko trägt die Krone, aber noch immer denkt er, jemand könnte ihn wegschicken. „Ich leide manchmal am Impostor-Syndrom“, sagt der 26-Jährige, nachdem er in Bratislava die Trophäe für den besten slowakischen Profi des Jahres 2025 entgegennahm. Dabei ist er längst kein Gast mehr, sondern der Mann mit den meisten Einsatzminuten bei Atlético Madrid – 3.318 über alle Wettbewerbe, mehr als Griezmann, mehr als Koke.

Der gang durch den spielertunnel wird zum existenzschock

Im Estadio Santiago Bernabéu schlug ihm die Realität entgegen. „Als ich den Tunnel runterging, flüsterte ich mir ins Ohr: ‚Wo bin ich hier eigentlich?‘, erzählt Hancko. Sekunden später markierte er Vinícius, klärte vor Bellingham und trug danach selbst das Trikot der Rojiblancos wie ein Second Skin. Die Champions-League-Tore Nummer zwei und drei in dieser Saison folgten – Statistiken, die ihn in Madrid unverzichtbar machen.

Die Geschwindigkeit, mit der Diego Simeone ihn zum Leistungsträger erkor, überrascht selbst den Betroffenen. „Bei Simeone muss man sich erst mal beweisen, dass man bereit ist, in die Wand zu rennen. Dass er mir sofort Vertrauen schenkte, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Hancko kam nicht als Rohling, sondern als Fertigprodukt: vier Jahre Sparta Prag, drei Jahre Feyenoord, Champions-League-Erfahrung statt Transfer-Poker. Das Alter 26 half, „nicht mehr reinzubiegen, sondern sofort zu liefern“, wie er sagt.

Slowakische fußballromantik endet nicht mit hamsik und skrtel

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Vor zehn Jahren glotzten slowakische Kids YouTube-Clips von Marek Hamsik in Neapel und Martin Skrtel in Liverpool. Heute schalten sie Hancko-Highlights bei Atlético ein. „Ich wollte diese Marke ‚Slowakei im Ausland‘ nicht kaputtmachen, sondern fortschreiben“, so der Verteidiger. Die Nationalmannschaft schwankt zwischen EM-Traum und Nations-League-Grind – Hancko liefert den Garanten für Stabilität. „Ich würde die individuelle Auszeichnung sofort gegen eine WM-Teilnahme eintauschen. Punkt.“

Dabei bleibt trotz Glamour die Sehnsucht nach Verlässlichkeit. „Ich hasse Umzüge“, lacht er. „Zilina, Prag, Rotterdam – jedes Mal hab ich geweint. Deswegen: Madrid ist kein Zwischenstopp. Ich will den Vertrag bis 2029 erfüllen, verlängern und danach vielleicht direkt in den Atlético-Nachwuchs rutschen.“ Die Trophäe steht also nicht für ein Ende, sondern für ein Stück dauerhafter slowakischer Madridista-Realität.

Die Saison ist noch nicht gegessen. Real Sociedad wartet im Pokal, Barcelona im Liga-Endspurt. Hancko aber hat den Modus gefunden: Zweifeln, zupacken, dominieren. Und wenn er nächste Woche wieder durch den Spielertunnel läuft, wird er sich höchstens fragen: „Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?“ Die Antwort lautet: Weil es nur ein Santiago Bernabéu gibt – und nur ein Atlético, das sich auf ihn verlässt.