Skisprung-team patzt wieder: hannawald enthüllt, warum das risiko fehlt
Die Skiszene zittert. Noch drei Fliegen haben die Adler, doch die Gold-Feder scheint abhanden gekommen. Philipp Raimunds Einzel-Coup in Oberstdorf war ein Feuerwerkschlag, danach wieder Windstille. Karl Geiger und Andreas Wellinger schauen statt zu jubeln auf Tabellenplätze, die weh tun.
Sven hannawald packt aus: „die letzte zehntelsekunde fehlt“
Der letzte deutsche Tournee-Kaiser lässt keine Zeit verstreichen. „Mir fällt auf, dass im Bruchteil des Absprungs das letzte Quantum Risiko fehlt“, sagt Hannawald gegenüber Sport1. Gemeint ist jene winzige Entscheidung, ob man den Körper noch ein Stück weiter über den Balken wirft oder sich zurückzieht. Die Konkurrenz aus Österreich, Norwegen, Polen und Japan surft genau diese Welle. Sie kratzt an der Grenze des Sturzes – und springt dadurch weiter.
Die Zahlen sind hart. Seit Raimunds Triumph warten zwölf Weltcup-Wochenenden auf den nächsten Sieg. Die Rot-Weiß-Roten holten in diesem Zeitraum acht Podestplätze, die Norweger fünf, die Polen ebenso. Die deutsche Mannschaft? Drei Mal Bronze, kein Gold. Hannawald sieht das Muster: „Bei der Vorbereitung liegen unsere Jungs oft vorn, aber wenn der Countdown auf Null steht, weichen sie zurück.“
Was sagt das Material? Keine Ausrede, meint die Expertenrunde. Die Ski kommen vom selben Binder wie jene von Halvor Egner Granerud, der mit 14 Saisonsiegen schon wieder Geschichte schreibt. Die Analyse-Tools spucken identische Daten aus. Bleibt der Kopf.

Der plan: oslo, vikersund, planica – letzte chance auf selbstbeweis
Die Reise führt nach Oslo (11./12. März), dann nach Vikersund (15./16. März) und schließlich nach Planica (18./19. März). Drei Orte, drei Entscheidungen. Bundestrainer Stefan Horngacher schickt seine Gruppe ins Risiko-Camp: Trainings mit verkürztem Anlauf, Aufsetzen bei Windböen, Simulation von Endrunden-Druck. Die Physiotherapeuten haben bereits acht Stunden Schlaf und mentale Einheiten mit Visualisierungstests verordnet.
Hannawald gibt den Ton an: „Wenn du die Tournee 2025 angehen willst, musst du jetzt laut sagen: Ich springe auf leeren Beinen, egal was passiert.“ Sonst wird das Jubiläum seines legendären Sieges 2001/2002 zur tristen Bilanz. 25 Jahre ohne deutschen Tournee-Sieg wäre ein Schnitt, der weh tut.
Raimund könnte der Heilsbringer sein. Er zeigte in Peking, dass er den Druck liebt. „Ich weiß, wie sich an diesem Tag die Welt anfühlt“, sagt er und meint die Vibration, wenn 30.000 Zuschauer den Atem anhalten. Dieses Gefühl will er in Oslo abrufen. Die Form stimmt, die Sprünge im Training fliegen 145 Meter weit. Bleibt die Frage: Traut er sich auch, wenn in der zweiten Durchgangsrunde der Wind umspringt?
Die Uhr tickt. Olympia rückt näher, die Tournee 2025 mit Frauen-Premiere ebenso. Die DSV-Delegation weiß: Kein Risiko, kein Medaillenkuchen. Hannawalds Fazit brennt ins Gedächtnis: „Wer nur das Niveau hält, verliert.“ Wenn sich diese Wahrheit nicht bis Planica in die Sprungbeine der deutschen Adler fährt, bleibt von der Saison nur die goldene Erinnerung an einen einzelnen Coup – und viele Fragen für den Sommer.
