Shedden packt aus: genoni wäre mein goalie fürs lebens-spiel
Doug Shedden hat den Satz fallen lassen, die Eishockey-Schweiz erbebt. „Wenn ich ein einziges Spiel gewinnen muss – Spiel sieben im Stanley-Cup-Final oder Olympia-Gold – nehme ich Leonardo Genoni.“ Mehr muss ein Trainer nicht sagen. Die Aussage des Kanadiers, der von 2008 bis 2014 die Bande des EV Zug bemannte, ist ein Kniefall vor der Aura des Torhüters, der damals noch beim Gegner stand.
Die niederlagen, die ihn überzeugten
Zweimal scheiterte Sheddens EVZ in den Playoffs an Genonis Teams. „Wir haben verdammt noch mal verloren“, sagt er im Gespräch mit der Luzerner Zeitung. Aus Frustration wurde Respekt, aus Respekt Bewunderung. „Ich habe Patrick Roy, Martin Brodeur und Carey Price gecoacht. Aber Genonis Präsenz ist anders. Er versteht, wann er die Bande zu kriegen hat, wann er den Puck wegzupacken. Er liest das Spiel, bevor es passiert.“
Heute steht Shedden beim HC Bolzano an der Bande, 1.000 Kilometer südöstlich seiner alten Wirkungsstätte. Doch die Erinnerung an die Duellen mit Genoni brennt noch immer. „Wir haben in der Kabine gesagt: Schießt, wo immer ihr wollt – er steht sowieso richtig. Am Ende haben wir trotzdem verloren.“

Der goalie, der keine schwächen hat
Für Shedden ist Genoni kein guter, sondern ein „absolutes Phänomen“. Die Wahl des Wortes ist bewusst. „Phänomene erklärt man nicht, man staunt.“ Und das tut der 64-Jährige, seit Genoni 2018 nach Zug wechselte – vier Jahre, nachdem Shedden den Klub verlassen hatte. „Ich wünschte, ich hätte ihn trainiert. Aber vielleicht ist es besser so. Dann musste ich ihn nicht auf die Bank setzen.“
Die Zahlen sprechen für sich: Genoni führt die National League in Save-Prozent und Goals-against-Average. Doch Shedden redet nicht über Statistiken. Er redet über Aura. „Er geht durchs Tor, und das Spiel ändert sich. Die Gegner schauen erst mal nach oben, bevor sie schiessen. Das ist Macht.“
