Shai trifft 3,3 sekunden vor schluss und schreibt nba-geschichte

Shai Gilgeous-Alexander hat den Ball noch nicht ganz unten, da tobt schon das ganze Paycom Center. 129:126, 3,3 Sekunden, linker Flügel – der Dreier segelt, die Lampe brennt, Oklahoma City fliegt. Die Thunder schlagen Denver, der Kanadier erzielt 35 Punkte plus 15 Assists und nagelt sich mit Wilt Chamberlain an die Wand der Unsterblichen.

126 Spiele in folge über 20 punkte – nur wilt war vor ihm da

Die Zahl klingt wie ein Tippfehler, ist aber Programm: Seit mehr als eineinhalb Jahren verlässt Gilgeous-Alexander das Parkett nie ohne zwanzig Zähler. Chamberlahn lag diese Serie zwischen 1961 und 1963 vor – in einer Ära ohne Zone, ohne Hand-Check-Regel, ohne Sozialmedien, die jede Nacht einen neuen Helden erfinden. „Ich versuche gar nicht, darüber nachzudenken“, sagt der 27-Jährige, während er sich das Trikot auszieht, das morgen im Museum hängen wird. „Wenn du darüber nachdenkst, verlierst du den Fokus auf das nächste Pick-and-Roll.“

Die Nuggets hatten gerade noch 126:126 ausgeglichen, Nikola Jokic wollte den Spielverlauf selbst in die Hand nehmen, doch die Uhr frisst Sekunden, Aaron Gordon verheddert sich in der Verteidigung und schon ist der Ball wieder bei Shai. Ein Dribble, zwei, der Step-back, die Netze zittern. Jokic zuckt nur mit den Schultern: „Zehn Mal hintereinander 20 Punkte ist schon absurd. Aber 126? Das ist einfach nicht von dieser Welt.“

Oklahoma baut führung aus – titelrennen lebt vom rekordjagd

Mit 51:15 führen die Thunder die Western Conference an, San Antonio folgt vier Siege dahinter. Die letzte Saison endete mit dem ersten Titel seit 1979, doch diese Kampagne riecht nach Wiederholung. Gilgeous-Alexander führt die Liga in effektivem Feldwurfwert unter Spielern mit mindestens 25 Punkten pro Partie, seine Verteidigungswertung liegt bei 106,8 – ein Hybrid aus Primetime-Scorer und verstecktem Stopper.

Die MVP-Umfrage der Liga führt er ebenfalls an. Schon letztes Jahr trug er die Trophäe nach Oklahoma, diesmal wäre es die Bestätigung einer Dynastie, nicht nur eine Einzel-Auszeichnung. „Wir wollen nicht Geschichte wiederholen, wir wollen neue schreiben“, sagt Trainer Mark Daigneault, der nach dem Schlusspfiff noch immer das Funkeln in den Augen hat. Die Uhr im Stadion zeigt 0:00, aber die 126-Punkte-Serie tickt weiter – Minute um Minute, Spiel um Spiel, Mythos um Mythos.