Serie a im zwielicht: 70 profis im visier der escort-ermittler
Die „Ma.De Milano“-Affäre erschüttert Italien. 70 Spieler aus der Serie A, darunter Stars von Inter, Juventus, Milan und Lazio, stehen auf der Suchbegriff-Liste der Mailänder Finanzpolizei. Sie alle sollen Partys mit Sex und „Lachgas“ gebucht haben – ohne zu ahnen, dass jedes WhatsApp-Backup als Beweisstück in einem Ermittlungsverfahren landet.
So funktionierte die milliardenschwere escort-maschine
Emanuele Buttini und seine Lebensgefährtin Deborah Ronchi führten das Imperio vom Vorort Cinisello. Knapp 1,2 Millionen Euro haben Ermittler bereits auf ihren Konten eingefroren – nur ein Bruchteil, glaubt man den Akten. Die Strategie: Mädchen per Ryanair nach Orio al Serio einfliegen, Check-in fotografieren, dann ins Hotel. „Wichtig ist, dass sie um fünf Uhr am Schalter sind, alles andere regeln wir“, schrieb Buttini in einer abgehörten Sprachnachricht.
Die Wohnung in Cinisello diente gleichzeitig als Büro, Hostel und Umschlagplatz. „Morgen kommen vier Mädchen, alle in das Zimmer mit den Etagenbetten“, ordnete Ronchi per Chat an. Ein Tag später war das Quartier wieder leer, die nächste Lieferung stand schon am Gate.

Die spieler sind nur kunden – trotzdem droht imageschaden
Strafrechtlich bleiben die Profis vorerst auf der sicheren Seite: Sex mit einer erwachsenen Prostituierten ist in Italien legal. Doch die Staatsanwaltschaft will einzelne Akteure als Zeugen laden, um zu klären, wer von den Buchempfehlungen für „After-Party-Specials“ Gebrauch machte. Lachgas, Kokain, zusätzliche Stunden – alles dokumentiert in Gruppenchats, die nun entziffert werden.
Der Klubinterne Druck steigt. Mehrere Vereine haben laut Gazzetta dello Sport Interna-Kommunikation gestartet: Sozialdienste, Sponsoring-Abteilungen, Imageberater. „Wir wissen, dass einige Spieler mit Klarnamen auftauchen. Die Frage ist nur, wie viel davon öffentlich wird, bevor die Saison endet“, sagt ein Insider des AC Milan.

Was die ermittler als nächstes planen
Die Anwälte von Buttini und Ronchi versuchen, die Beschlagnahmungen zu kippen; sie argumentieren, das Geld stamme aus „legaler Modelagentur-Tätigkeit“. Die Finanzpolizei lacht nicht mit: Sie jagt vier Konten in Litauen, über die laut Anklage Profite gewaschen wurden. Parallel laufen Auswertungen von 78 beschlagnahmten Handys, Tablets und Laptops – darunter verschlüsselte iPhones, die per Gray-Key entsiegelt wurden.
Die nächste richterliche Verhandlung ist für Anfang Mai terminiert. Dann muss das Paar sich vor der Mailänder Sicherheitskammer verantworten. „Wenn sich auch nur ein Drittel der Suchbegriffe als zutreffend erweist, haben wir es mit dem größten Sex-Skandal der italienischen Liga seit Calciopoli 2006 zu tun“, sagt eine mit dem Verfahren vertraute Staatsanwältin.
Die Serie A schaut weg – und wartet darauf, dass die ersten prominenten Namen durchsickern. Die Saison ist noch nicht vorbei, doch die Schlammschlacht hat längst begonnen.
