Sepp-herberger-preis für datteln: inklusions-kicker überraschen fußball-deutschland

Der 59-jährige Wilhelm Risse und seine 28 Fußballer, mit Down-Syndrom, Autismus oder Spastik, schlugen gestern Abend die Prominenz der Autostadt Wolfsburg in die Schranken. Seine DJK Sportfreunde Datteln holten den Sepp-Herberger-Award, die höchste Auszeichnung für sozialen Fußball-Einsatz.

Ein dorf macht blau-gelbe magie

Seit 2008 pflegt Risse im nördlichen Ruhrgebiet ein System, das eigentlich gar keines sein will: Es funktioniert einfach. 28 Spieler zwischen 9 und 26 Jahren, mit und ohne Handicap, trainieren dreimal die Woche auf dem Kleinfeld. Keine Trennung, keine Quotenvorgabe – nur Fußball. „Das sind alles meine Kinder“, sagt Risse, dessen Sohn Jonas mittlerweile zur Stammformation gehört.

Die Konsequenz: Datteln wird zur Hochburg des Handicap-Fußballs. Mehr als 20 Teams reisen jedes Jahr zum eigenen Inklusionsturnier, das der Verein seit neun Jahren organisiert. Kein Sponsor zieht sich zurück, keine Eltern steigen aus. Die Quote der langfristig Bleibenden: 100 Prozent. Ein Wert, den man in den Bundesliga-Stadien sonst nur in Powerpoint-Folien findet.

Der preis ist nur der aufwärmpass

Der preis ist nur der aufwärmpass

Die 10.000-Euro-Siegerscheck wandert nicht auf ein Spaßkonto. Sie wird sofort liquide gemacht für die Reise nach Basel, wo 2024 eine Art Inklusions-WM stattfindet. Spanien, Italien, Frankreich – alles dabei. „Datteln für Deutschland“ lautet die Devise. Kein DFB-Manager musste die Idee vorab absegnen; der Award reicht als Startpass.

Kritik lässt Risse trotzdem nicht aus. „Es gibt Hunderte Vereine, die das Thema auf dem Schirm haben, aber sich nicht trauen.“ Sein Appell: einfach anfangen. „Das wöchentliche Training erfolgreich zu leiten ist Herausforderung genug“, schmunzelt er. Keine Powerpoint, kein Diversity-Beirat – nur Beine, Ball und Inklusion live.

Die Zahlen sprechen für sich: 15 Jahre Inklusionsarbeit, null Ausfälle wegen fehlender Halle, null Streiks wegen fehlender Beförderung. Stattdessen 28 lachende Gesichter und ein Sepp-Herberger-Award, der in Datteln schon heute als „Vorbereitungsspiel“ gilt. Der Gegner heißt dann Basel – und die Uhr tickt bereits.