Schwartz rettet münster: keine axt, nur leichtigkeit

Alois Schwartz trat am Mittwoch in den Katakomben des Preußen-Stadions auf wie ein Mann, der weiß, dass er keine Zeit hat, sich einzugewöhnen. Kein „Vielleicht“, kein „Hoffentlich“. Nur ein Satz, der in Erinnerung bleibt: „Ich haue jetzt nicht mit der Axt drauf.“ Damit erklärte sich der 54-Jährige nicht nur zur neuen, sondern zur sofortigen Lösung für den Tabellenletzten der 2. Bundesliga.

Der Vertrag läuft offiziell nur bis Mai. Intern haben sich beide Seiten aber längst auf eine Option für die Zukunkt geeinigt. „Wir waren uns in 24 Stunden klar“, sagt Sport-Geschäftsführer Peter Niemeyer. Die Chemie solle stimmen, die Zahlen aber auch: Sieben Spiele, drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, sechs auf Platz 15. Für Schwartz kein Drama, sondern eine Mathe-Aufgabe mit Emotionen.

Kein schnellschuss, sondern ein kurzzeit-genick

Die Personalie klingt nach Notlösung, ist aber durchkalkuliert. Schwartz kennt die Liga, hat zuletzt in Saarbrücken eine Mannschaft aus der Bedeutungslosigkeit geholt, bevor ihn der Club im November entließ. Nun also Münster, wo die „Leichtigkeit weg ist“, wie er sagt. Was das bedeutet? Zu viele Zweikämpfe verloren, zu wenig Spielfluss, zu viel Angst vor dem Abstieg. Er will die Angst abtrainieren, nicht die Spieler.

Erste Maßnahme: Stabilität vor Show. Keine Rumpel-Sturm-und-Drang-Rede, keine Trainingseinheiten bis Erbrechen. Stattdessen Videoanalyse, kleine Gruppengespräche, viel Beobachtung. „Wenn ich jetzt alles umkrempel, rüttel ich am Selbstvertrauen“, sagt er. Das Selbstvertrauen aber ist das Einzige, was zwischen Preußen Münster und dem Abstiegsstrudel noch steht.

April wird zur highspeed-todesstiege

April wird zur highspeed-todesstiege

Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag: Kiel (Platz 16), Fürth (14), Schalke (3), Bielefeld (13). Vier Gegner, drei direkte Konkurrenten, ein Topclub. Rechnet man die Siege, reicht schon ein Remis, um die Abstiegszone zu verlassen. Verliert Münster aber zwei der drei Keller-Duelle, wird selbst ein Sieg gegen Schalke nur noch kosmetisch sein. Die C-League der 2. Bundesliga ist so eng wie selten: Zwischen Platz 12 (Dresden, 28 Punkte) und Platz 18 (Münster, 25) liegen drei Zähler, zwei Spiele, ein einziges Tor.

Schwartz weiß: „Wir brauchen keinen 10-Meter-Sprung, nur drei 1-Meter-Sprünge.“ Gemeint ist: Erst Ruhe, dann Punkte, dann Pläne. Die Leichtigkeit soll zurückkommen – auf dem Rasen und in den Köpfen. Ob das reicht, wird sich zeigen, spätestens am 17. Mai beim letzten Spieltag. Bis dahin hat er sieben Spiele Zeit. Oder anders gesagt: keine.