Timo eder fegt durch den boden: dtb-pokal endet mit paukenschlag
Stuttgart – 22. März 2026, 18:24 Uhr. Die Halle quietscht, die Schwebe klatscht, und Timo Eder wirbelt über die Matte wie ein Kreisel mit Extra-Drehzahl. Mit 14,900 Punken rauscht der Ludwigsburger durch den Boden und klaut dem DTB-Pokal die letzte Sensation. Kein Jubel, nur ein kurzer Faustschlag gegen die Fläche – dann Atem holen. Die deutsche Turn-Saison hat ihren ersten Herzschlag.
Ein sieg, der keinen siegesschrei erlaubt
Denn hinter dem strahlenden Eder steht eine Mannschaft, die sich selbst auf die Schulter klopft und gleichzeitig die Schultern zuckt. „Wir haben gewonnen, aber wir haben auch verloren“, sagt DTB-Präsident Alfons Hölzl mit Blick auf die Statistik: nur zwei deutsche Podestplätze in zehn Gerätefinals. „Die Konkurrenz schläft nicht, sie sprintet“, fügt er hinzu und meint damit die Schweizer, Kanadier und Australier, die in Stuttgart schon mal probelaufen für Zagreb und Rotterdam.
Janine Schönmaier, frisch gebackene Sprung-Europameisterin, streicht sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und lacht nicht. „Das ist ein tolles Ergebnis, aber alles ist ausbaufähig“, sagt die 20-Jährige, die aus Belastungsgründen auf die Gerätefinals verzichtete. Ihr Blick wandert zum Balken, wo Janoah Müller gerade Silber sichert. Achtzehn Jahre jung, zitternde Knie, 13,650 Punkte. „Bei den Top-Wettbewerben bringen wir Top-Leistungen“, verspricht sie – und klingt dabei wie eine Athletin, die weiß, dass Versprechen nur dann zählen, wenn sie mit Callus auf den Händen geschrieben sind.

Stolperstart statt feuerwerk
Barren-Europameister Nils Dunkel schüttelt die verletzte Hand. Zwei ausgekugelte Finger, ein verkürztes Haltungstraining, 13,400 Punkte – Platz vier. „Ein Stolperstart“, nennt er das. Trotzdem hängt ihm das Teamgold um den Hals, 3,5 Punkte Vorsprung vor der Schweiz. „Gold ist schön, aber Goldglanz verblasst, wenn man sich den Rest der Tagesergebnisse ansieht.“
Die Botschaft ist klar: Der DTB-Pokal war kein Schaulaufen, er war eine Standortbestimmung. Und die Lage zeigt Schieflagen. Die deutschen Turner reisen mit zwei Pokalen heim, aber mit zehn offenen Fragen. In fünf Monaten treffen sich alle wieder in Zagreb. Dann wird nicht mehr gestolpert, dann wird gestürmt. Wer nicht bereit ist, fliegt raus – raus aus dem Kader, raus aus dem Medaillentraum. Timo Eder hat die erste Antwort gegeben. Die anderen müssen folgen, sonst bleibt der Pokal 2027 woanders stehen.
