Dfb rüttelt am aufstieg: regionalliga-reform dront zu scheitern – bayern blockiert
Mittwoch wird zum Schicksalstag. Die DFB-Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform trifft sich vermutlich zum letzten Mal – und noch immer zieht Bayern an der Handbremse, während sich der Rest der Republik auf das Kompassmodell verständigt hat. Der Druck auf Verbandschef Dr. Christoph Kern explodiert live in den Stadien.
Warum der bfv jetzt allein dasteht
Die Devise lautet: vier Staffeln statt fünf, alle Meister steigen direkt in die 3. Liga auf. Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn während sich die Klubs aus West, Nord und Ost bereits auf Umstrukturierungen einstellen, weigert sich der Bayerische Fußball-Verband (BFV), das Privileg der eigenen Regionalliga-Bayern aufzugeben. Dr. Michael Vesper, Leiter der Arbeitsgruppe, fordert deshalb offen die Präsidenten der Regionalverbände auf: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“
Hinter den Kulissen sickern Details durch. Peter Frymuth, DFB-Vize und West-Chef, hatte zuletzt intern U-Tendenzen signalisiert, schickte den Klubs seiner Liga eine Rundmail und bestätigte: „Die Tatsache, dass sich Vereine für ,Meister aufsteigen‘ aussprechen, ist nachvollziehbar.“ Doch sein Vertreter in der Arbeitsgruppe, Sascha Hendrich-Bächer, steht weiter auf der Bremsspur – genau wie Ralph-Uwe Schaffert aus dem Norden und eben Christoph Kern.

Fans eröffnen nächste front
Ultras machen die Lücke zwischen Verbandspolitik und Spielfeld wortwörtlich sichtbar. Beim Bundesliga-Kracher Bayern gegen Union hängten Münchner Anhänger ein 600-Quadratmeter-Banner vor die Südkurve: „Meister müssen aufsteigen! BFV-Privileg abschaffen!“ Die Botschaft ist ein frontalier Schlag gegen den eigenen Verband.
Die Empörung ist messbar. Inzwischen haben sich über 130 Klubs der Initiative „Aufstiegsreform 2025“ angeschlossen – Tendenz steigend. Selbst Traditionsklubs wie Wacker Burghausen und SG Wattenscheid weichen aus ihrer Komfortzone aus und signalisieren Bereitschaft, künftig in anderen Regionalliga-Staffeln anzutreten, nur damit das Kompassmodell Realität wird.

Südwesten pokert mit u21-regel
Noch komplizierter wird die Lage durch den Südwesten. Dort fürchtet man den Verlust der wirtschaftlich gut verneteten eigenen Liga-GmbH. Martin Pieckenhagen, neuer Sport-Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, pocht auf eine „komplexe Lösung“, die vor allem die Zweitmannschaften entlastet. Gemeint: Die DFL könnte ihre U21-Bundesliga aufziehen und den Profiklubs erlauben, in der Regionalliga nur noch einen Ü23-Spieler statt drei einzusetzen. Ein Kompromiss, der beim DFB bisher aber nur auf halbem Wege ankommt.
Ralph Grillitsch, Präsident von Carl Zeiss Jena, wettert gegen die Blockierer: „Der Südwesten zeigt sich sehr unsolidarisch. Die anderen vier Staffeln konstruieren, während einige wenige pokern.“

Was passiert, wenn es scheitert?
Die nächste Saison könnte unter Rechtsunsicherheit starten. Sollte die Arbeitsgruppe am Mittwoch keinen einstimmigen Vorschlag liefern, droht ein erneuter außerordentlicher DFB-Bundestag. Dort würde die Mehrheit entscheiden – und die sitzt nicht bei Bayern oder Südwest, sondern beim Rest der Republik. Die Folge: ein offener Verbandskonflikt mit Klagen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS.
Die Zeit läuft. Die Spielpläne für 2026/27 müssen bis 15. April stehen. Wer danach noch umbauen muss, riskiert Terminchaos, Ausfallzahlungen und Fernsehkonflikte mit der DFL. Kurz: Der DFB steht vor dem nächsten Machttest. Und die Fans haben bereits ihre Meinung gesendet – in riesigen Buchstaben an der Bayern-Tribüne.
Am Mittwoch wird entschieden, ob Meister endlich Meister bleiben oder ob die Regionalliga ihre Beliebigkeit zur Dauereinrichtung erhebt. Ein Tag, der über die Zukunft der untersten Profi-Ebene entscheidet – und möglicherweise die Glaubwürdigkeit des gesamten deutschen Amateurfußballs neu vermessen lässt.
